Wimbledon Championships 1963

Die 77. Auflage der Wimbledon Championships fand 1963 auf dem Gelände des All England Lawn Tennis and Croquet Club an der Church Road statt.
In diesem Jahr wurde die Regelung eingeführt, dass die Bekleidung der Spieler zum überwiegenden Teil weiß sein muss. Nachdem es am zweiten Samstag den ganzen Tag regnete, wurden die Endspiele aller vier Wettbewerbe am folgenden Montag ausgetragen.

Bei den Männern siegte der US-Amerikaner Chuck McKinley. Er setzte sich im Finale in drei Sätzen gegen Fred Stolle durch und errang seinen einzigen Titel bei einem Grand-Slam-Turnier.
Die Australierin Margaret Smith Court gewann ihren ersten von drei Einzeltiteln in Wimbledon. Insgesamt errang sie bis 1973 bei Grand-Slam-Turnieren 24 Einzeltitel, sowie darüber hinaus noch 19 Titel im Doppel.
Das Herrendoppel konnten die Mexikaner Rafael Osuna und Antonio Palafox für sich entscheiden.
Im Damendoppel waren Maria Bueno und Darlene Hard erfolgreich.
Im Mixed siegten Margaret Smith Court und Ken Fletcher.
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Haren (Ems)

Haren (Ems) ist eine Stadt an der Ems im Westen Niedersachsens im Landkreis Emsland mit rund 23.400 Einwohnern auf 208,8 km².

Haren (Ems) liegt im zentralen Teil des Emslandes zwischen Meppen und Papenburg an der Ems. Die Gemeinde grenzt mit den Ortschaften Rütenbrock, Schwartenberg, Lindloh und Fehndorf direkt an die Niederlande. Haren liegt wie das restliche Emsland nur wenige Meter über dem Meeresspiegel.
Haren grenzt im Norden an die Samtgemeinde Lathen, im Osten an die Samtgemeinde Sögel, im Süden an die Stadt Meppen und die Gemeinde Twist sowie im Westen an die niederländische Gemeinde Vlagtwedde.
Die Stadt Haren (Ems) besteht aus der Kernstadt sowie den folgenden zehn Ortschaften:
Altenberge, Emen-Raken, Emmeln, Erika, Fehndorf, Landegge, Lindloh-Schwartenberg, Rütenbrock, Tinnen und Wesuwe.
Haren wurde erstmals vor fast 1200 Jahren in einem Corveyer Register urkundlich erwähnt. 1304 wurde die Existenz einer Burg erwähnt, die von ihrem Besitzer dem Bischof von Münster als „offenes Haus“ überlassen werden musste. Bereits um 1000 wurde in Haren ein Corveyer Haupthof erwähnt, der vielleicht mit dieser Burg identisch ist. Ende des 12. Jahrhunderts ging die Besitzung in tecklenburgischen Besitz über. Die Gräfin Jutta von Vechta-Ravensberg verkaufte 1252 ihre Besitzungen an den Bischof Otto II. von Münster, sodass Haren Teil des Niederstifts Münster wurde.
Am Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde Haren fast vollständig zerstört, konnte sich aber bald erholen und wurde zum Zentrum der Püntenschifffahrt auf der Ems. 1803 wurde der Ort auf Grund der Beschlüsse des Reichsdeputationshauptschlusses dem Herzog Ludwig Engelbert von Arenberg als Ersatz für den Verlust seiner linksrheinischen Gebiete zugeteilt. Haren gehörte nun zum Herzogtum Arenberg-Meppen. 1810 wurde Haren Teil des französischen Kaiserreichs. Im Wiener Kongress wurde das Herzogtum Arenberg-Meppen dem Königreich Hannover zugeteilt, das 1866 zur preußischen Provinz wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete Haren von 1945 bis 1948 unter dem Namen Maczków als DP-Lager vorübergehend das politische und kulturelle Zentrum eines polnischen Besatzungsgebiets im Emsland. Die Bevölkerung setzte sich aus etwa 30.000 ehemaligen Zwangsarbeitern der Emslandlager und 18.000 polnischen Soldaten zusammen. Die eingesessene Bevölkerung Harens musste innerhalb von 24 Stunden den Ort verlassen und fand Unterkunft in den Nachbarorten. Anfangs nannte man die Stadt Lwów, jedoch bereits nach einem Monat änderte man auf Druck der sowjetischen Alliierten, die die ostpolnische Stadt Lwów (Lemberg) besetzten, den Namen in Maczków nach dem polnischen General Stanisław Maczek, der mit seiner Panzerbrigade die umliegenden Gefangenenlager befreit hatte. Am 10. September 1948 verließen die letzten Polen Haren, hauptsächlich nach Polen oder in die Commonwealth-Staaten.
Nach der Zerschlagung des Landes Preußen gehörte Haren ab 1946 zum neu geschaffenen Land Niedersachsen.
1956 schlossen sich die Gemeinden Haren und Altharen zur Gemeinde Haren zusammen. Am 3. Dezember 1965 wurde das Stadtrecht verliehen. Im Rahmen der Gemeindereform in Niedersachsen schlossen sich in einem Zwischenschritt die Gemeinde Landegge und die Stadt Haren (Ems) für kurze Zeit zu einer Samtgemeinde zusammen. Am 1. März 1974 trat im Altkreis die Gemeindereform in Kraft, durch die zwölf Gemeinden im Nordwesten des Altkreises Meppen (Altenberge (1), Emen (2), Emmeln (3), Fehndorf (4), Haren (Mitte), Landegge (5), Lindloh (6), Raken (7), Rütenbrock (8), Schwartenberg (9), Tinnen (10) und Wesuwe (11)) aufgelöst und zur Einheitsgemeinde Stadt Haren (Ems) zusammengeschlossen wurden. Die neugebildete Stadt Haren (Ems) hat rund 16.500 Einwohner und 208,62 km² Fläche.
Im Rahmen der niedersächsischen Kreisreform am 1. August 1977 wurden die ehemaligen Landkreise Lingen, Meppen und Aschendorf-Hümmling zum Landkreis Emsland vereinigt.
Für das 12. Jahrhundert ist ein Ministerialengeschlecht namens „von Haren“ dokumentiert, das die Burg Haren bewohnte. Die Burg soll 1304 dem Bischof von Münster verkauft worden sein. Nachkommen des vormals in Haren ansässigen Geschlechts „von Haren“ (mit drei Spindeln im Familienwappen) saßen von 1591 bis 1793 auf Burg Hopen in Lohne (Oldenburg).
Der Stadtrat der Stadt Haren (Ems) besteht aus 34 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl zwischen 20.001 und 25.000 Einwohnern. Die 34 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2011 und endet am 31. Oktober 2016.
Stimmberechtigt im Stadtrat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Markus Honnigfort (CDU).
Nach der Kommunalwahl am 11. September 2011 haben sich drei Fraktionen, bzw. Gruppen gebildet:
Bürgermeister ist Markus Honnigfort (CDU). Er wurde bei der Kommunalwahl vom 11. September 2011 mit einem Ergebnis von 76,64 % im Amt bestätigt.
Das Wappen der Stadt Haren (Ems) zeigt im blauen Schild in Form eines Sechspasses angeordnet drei silberne Segel mit silbernen Wimpeln an goldenem Mast und drei goldene Windmühlenflügel.
Die Stadtflagge ist in den Farben Blau-Gold längsgestreift und in der Mitte mit dem Stadtwappen belegt.
Bekanntestes Wahrzeichen der Stadt ist die katholische St.-Martinus-Kirche, die im Volksmund Emslanddom genannt wird. Der neubarocke Dom wurde vom Dombaumeister Wilhelm Sunder-Plaßmann aus Münster entworfen und überragt mit seiner 58 Meter hohen, grünen Kuppel die Stadt. Die St.-Martinus-Kirche ist von 1908 bis 1911 errichtet worden und integriert den Westturm der alten Kirche von 1853/54.
Im Haren-Rütenbrock-Kanal sind einige Museumsschiffe zu besichtigen, die die Schifffahrtsgeschichte der Stadt aufzeigen. So sind die Spitzpünte Helene von 1890, die für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bautypische eiserne Emspünte Haren I und das Wattmotorschiff Thea Angela zu besichtigen.
Rund um das Schloss Dankern befindet sich ein großes Ferienparkgelände mit einem der größten Spielplätze Deutschlands.
Von der um 1178 erbauten Stiftsburg Landegge blieb nur der Burghügel im Dorf Landegge erhalten. Das Haus Landegge ist ein Herrensitz, der 1695 für Wilhelm Diedrich von Schade errichtet wurde. Nach 1756 wechselten die Besitzer häufig. Der Gutshof beherbergt heute eine Ferien- und Reitanlage.
Ab 1977 verkehrte das 1949 gebaute Fahrgastschiff Amisia von Haren aus auf der Ems. Im September 2009 wurde es nach Maastricht verkauft und durch ein gleichfalls auf den Namen Amisia getauftes Nachfolgeschiff ersetzt.
In der Nähe der B 408 und Landegges befindet sich eine im Volksmund Mersmühle genannte Kappenwindmühle aus dem Jahr 1825. Die Mühle und die historischen Müllergebäude aus dem 19. Jahrhundert können besichtigt werden.
In der Stadt Haren (Ems) gibt es acht Kindergärten, acht Grundschulen, zwei Oberschulen, eine Förderschule und ein Gymnasium. Des Weiteren befindet sich eine Außenstelle der Volkshochschule Meppen in der Innenstadt. Sechs katholische Kirchengemeinden und die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde unterhalten öffentliche Büchereien. Die KÖB St. Martinus, die als Hauptbücherei über mehr als 10.000 Medien verfügt, befindet sich im Bischof-Demann-Haus am Kolpingplatz. In verschiedenen Sportvereinen gibt es vielfältige Sportangebote.
Bekannt ist Haren (Ems) als Schifferstadt und größtes touristisches Reiseziel im Emsland. Heute haben mehr als 20 Reedereien in Haren ihren Geschäftssitz und bereedern zusammen eine Flotte von über 250 See- und Küstenschiffen. Zudem sind in Haren rund 50 Binnenschiffe beheimatet, die sich in der Regel im Besitz einzelner Partikuliere befinden. Damit gehört die Stadt Haren zu den drei größten Schifffahrtsstandorten in Deutschland. Die Stadt hat vier Häfen: Eurohafen Emsland, Alter Hafen, Neuer Hafen sowie den Yachthafen „Emspark“, der an ein neues Wohngebiet angeschlossen ist.
Einer der wichtigsten Arbeitgeber ist die Emsland Frischgeflügel GmbH.
Haren kann über die Bundesautobahn 31 und die Bundesstraße 70 erreicht werden. Der Ortsteil Emmeln liegt an der 1855 eröffneten Eisenbahnlinie Münster – Emden (Emslandstrecke), dort halten im Bahnhof Haren stündlich die Regional-Express-Züge Richtung Rheine und Leer (RE 15 Emsland-Express). Haren liegt an der Ems, die zwischen der Nordsee und Meppen schiffbar ist. Ab Meppen wird sie über den Dortmund-Ems-Kanal mit dem Ruhrgebiet verbunden.
Zwischen den Städten Haren und Meppen ist 2007 der Eurohafen Emsland als Stichhafen entstanden.
Den Radtouristen stehen neben der Dortmund-Ems-Kanal-Route, ein rund 350 km langer und quasi steigungsfreier Radfernweg der das Ruhrgebiet mit der Nordseeküste verbindet, weitere lokale Rundtouren zur Verfügung. Die Pünten-Tour (67 km), die 2-Länder-Tour (45 km) und die Dörfer-Tour (43 km).
Der Brandschutz und die allgemeine Hilfe im Stadtgebiet werden durch die Freiwillige Feuerwehren Haren und Rütenbrock gewährleistet.
Die Feuerwehrleute werden über Funkmeldeempfänger und gleichzeitig via SMS, gezielt nach Alarmstichworten, aus der zentralen Feuerwehreinsatzleitstelle des Landkreises Emsland rechnergestützt alarmiert. Diese beiden Feuerwehren rücken jährlich etwa 200 Mal zu Hilfeleistungen und Bränden aus. Sie leisten auch überörtliche Einsätze, nicht nur im Rahmen der nachbarschaftlichen Löschhilfe, sondern unterstützen mit ihren Taucher- oder Gefahrstoffgruppen andere Feuerwehren bzw. Städte und Gemeinden im Kreisgebiet. Die Rütenbrocker Feuerwehr rückt zudem auch in die benachbarte Niederlande aus. Für ihre Aufgaben stehen den beiden Feuerwehren ein Fahrzeugpark mit 12 Einsatzfahrzeugen, zwei Rettungsbooten und diversen Anhängern zur Verfügung.
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Entandrophragma

Sapeli-Baum (Entandrophragma cylindricum) im Kongo, Habitus
Entandrophragma ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie Mahagonigewächse (Meliaceae). Die zehn oder elf Arten im tropischen Afrika verbreitet. Einige Arten sind als Lieferanten hochwertigen Holzes bedeutsam.

Entandrophragma-Arten sind Bäume, die meist große Wuchshöhen erreichen und in der Emergenten-Schicht wachsen. Die Laubblätter sind paarig gefiedert, die Fiederblättchen sind nicht weiter unterteilt.
Entandrophragma-Arten sind zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die Blüten stehen in rispigen Blütenständen zusammen. Die eingeschlechtigen Blüten sind fünfzählig. Die fünf Kelchblätter sind an der Basis miteinander verwachsen. Die fünf Blütenblätter schauen schon in der Knospe aus dem Kelch heraus. Die zehn Staubblätter sind zu einer Röhre verwachsen. Der Fruchtknoten ist fünfkammrig, er entwickelt sich zu einer verholzten Kapselfrucht. Die Mittelachse der Kapselfrucht (Columella) ist im Querschnitt fünfkantig. Die Samen sind einseitig geflügelt, wobei der Flügel in der Kapselfrucht zum Fruchtstiel weist.
Die Gattung Entandrophragma enthält zehn oder elf Arten, darunter:
Die Hölzer der Gattung Entandrophragma gelten als Edelhölzer. Sie finden vor allem als hochwertiges Furnier und als Konstruktionshölzer im Rahmenbau für Fenster Verwendung, werden aber auch im Instrumentenbau genutzt.
Zeichnung aus Englers „Pflanzenwelt Afrikas“

Kurt Thiele

Kurt Thiele (* 29. Juli 1896 in Braunschweig; † 13. Juni 1969 in Oldenburg) war ein deutscher Politiker (NSDAP).

Thiele besuchte die Volksschule und das humanistische Gymnasium Martino-Katharineum in Braunschweig. Ab August 1914 nahm er mit dem Infanterieregiment 92 am Ersten Weltkrieg teil. Von Oktober bis November 1914 gehörte er dem in Flandern stehenden Reserveinfanterieregiment 208 an. Von August 1915 bis November 1916 wurde er mit dem Reserveregiment 269 in Russland eingesetzt. Zuletzt kämpfte Thiele, der am 27. Januar 1916 zum Leutnant der Reserve ernannt worden war, von November 1916 bis Juli 1918 mit dem Sturmbattallion 12. Im Krieg wurde Thiele mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und dreimal verwundet, einmal so schwer, das eins seiner Beine vom Oberschenkel abwärts amputiert werden musste. 1921 nahm Thiele mit dreißig geworbenen Freiwilligen an den Kämpfen in Oberschlesien teil.
Von 1921 bis 1923 studierte Thiele Rechtswissenschaft an der Universität Göttingen. Das Studium brach er im Herbst 1923 ab. Anschließend war er von 1923 bis 1930 kaufmännischer Angestellter beim Norddeutschen Lloyd in Bremerhaven und Bremen.
1923 trat Thiele in die NSDAP ein. In der Verbotszeit der NSDAP von 1923 bis 1925 beteiligte er sich am Aufbau der Ersatzorganisationen für die verbotene Partei, insbesondere in Göttingen. 1925 schloss Thiele sich der Partei wieder an und gründete eine Ortsgruppe der NSDAP in Bremerhaven-Wesermünde. Von 1929 bis zum Frühjahr 1932 war er Kreisleiter der NSDAP für den Kreis Bremen. Im Frühjahr 1932 gründete er die NSDAP-Abteilung Seefahrt. Er war Gründer und Verwaltungsratsvorsitzender der Bremer Zeitung die vom Januar 1931 bis zum Oktober 1933 erschien. Ferner übernahm er die Herausgeberschaft für die von ihm gegründete Monatsschrift Der deutsche Seemann, die bis zum Sommer 1933 erschien.
Im November 1930 wurde Thiele Abgeordneter in der Bremer Bürgerschaft, in der er bis zum Sommer des Jahres 1932 das Amt des Fraktionsvorsitzenden der NSDAP-Fraktion bekleidete. Vom Frühjahr 1933 bis zur Auflösung der Länderparlamente amtierte Thiele als Präsident der Bürgerschaft. Er war dann Mitglied im Reichstag vom September 1930 bis 1945 für den Wahlkreis 14 (Weser-Ems).
Im Herbst 1933 wurde Thiele zum Bremischen Staatsrat ernannt und 1934 zum Kreisgerichtsvorsitzenden. In den folgenden Jahren amtierte er als Gauinspekteur für den Gau Bremen, Leiter der dortigen Mobilmachungsabteilung und Gauamtsleiter für Rassenpolitik und Volkstumsfragen im Gau Weser-Ems. 1942 wurde er zum Landrat des Landkreises Oldenburg ernannt.
Nach dem Krieg wurde Thiele von den Alliierten verhaftet. In einem Spruchkammerverfahren wurde Thiele am 25. April 1949 verurteilt. Thieles Nachlass wird heute im Staatsarchiv Bremen verwahrt.

S.M. Hilfskreuzer „Wolf“

S.M. Hilfskreuzer „Wolf“ ist ein deutscher Dokumentarfilm, der 1918 zu propagandistischen Zwecken in Kiel an Bord des Hilfskreuzers SMS Wolf gedreht wurde.

Der heimkehrenden Wolf begegnet ein deutsches Torpedoboot. Auf der Brücke erteilt der Erste Offizier, Kapitänleutnant Schmehl, Befehle. Im Kieler Hafen wird der Dampfer von Zivilisten und Marineangehörigen begrüßt. Auf einem im Hafen liegenden Segelschulschiff werden Manöver durchgeführt.
Der Kommandeur der Marinestation der Ostsee, Vizeadmiral Gustav Bachmann, verleiht dem Wolf-Kommandanten, Fregattenkapitän Karl August Nerger, den Pour le Mérite. Da Bachmann das Ordensband um Nergers Hals nicht richtig befestigt hat, droht der Orden abzurutschen, was durch einen hinter Nerger stehenden Marineangehörigen verhindert wird, indem er das Ordensband auf Nergers Schulter festhält.
Admiral Prinz Heinrich von Preußen, der Bruder Kaiser Wilhelm II., besucht die Wolf. Kriegsgefangene Handelsschiffmatrosen und portugiesische und neuseeländische (oder australische) Soldaten bewegen sich an Deck. Die Gefangenen holen sich in großen Kübeln ihr Essen.
Das Bordflugzeug Wölfchen, eine Friedrichshafen FF 33, wird startklar gemacht. Die beiden Piloten besteigen die Maschine. Die Bordhunde, überwiegend Dackel, tollen vor der Kamera herum. Es werden Geschützübungen durchgeführt, bei denen demonstriert wird, wie die Tarnung des Hilfskreuzers im Einsatzfall aufgehoben wird. Fleisch wird an Bord gebracht, laut Zwischentafel das erste Frischfleisch seit 12 Monaten. Das Gepäck der Gefangenen wird untersucht, anschließend werden sie mit einem kleinen Dampfer, der längsseits der Wolf liegt, in die Kriegsgefangenschaft an Land abtransportiert.
Im Gegensatz zu Graf Dohna und seine Möwe wurden auf der Wolf während ihrer Reise keinerlei Filmaufnahmen gemacht. Warum, im Gegensatz zur Möwe, keine Filmkamera an Bord genommen wurde, ist unbekannt. Alle Aufnahmen von S.M. Hilfskreuzer „Wolf“ wurden im Kieler Hafen gedreht.
In seinem autobiografischen Roman Des Kaisers Kulis (Berlin 1929) berichtet der Schriftsteller Theodor Plivier, der sich als Besatzungsmitglied an Bord der Wolf befand, über die Dreharbeiten. Danach sind die Aufnahmen größtenteils gestellt, da beim Einlaufen des Schiffs in den Kieler Hafen und bei der Verleihung der Orden durch Admiral Bachmann kein Kamerateam anwesend war:
… Der Admiral ist wieder an Bord gekommen. Diesmal mit einem Hauptmann der „Propagandastelle zur Hebung der Kriegsstimmung im Hinterland“. Ein Filmapparat! Großaufnahme: vom Kommandanten, von der Dackelmeute, von der Mannschaft.
Der Kameramann kurbelt. Der Admiral verleiht die einkassierten Eisernen Kreuze zum zweitenmal, stellt dieselben idiotischen Fragen, liest dasselbe Kaisertelegramm ab, hängt dem Kommandanten den Pour le Mérite wieder um. Ein riesengroßer Kintopp! Der höchste Kriegsorden der Nation ist zum Theaterrequisit geworden. Der Kommandant, dem der Heiratskonsens mit seiner Frau versagt bleibt, weil sie Schauspielerin ist, wird selber in die Rolle eines Schauspielers gedrängt. Die übrigen Offiziere samt dem Admiral und Chef der Ostseestation bilden die Komparserie. Die Mannschaften der im Hafen liegenden Kriegsschiffe, die auf Befehl bevölkerten Landungsbrücken geben den großen und billigen Hintergrund ab. Wir brüllen Hurra, ein halbes Hundert mal, bis wir heiser sind, und grinsen dabei: Propaganda zur Hebung der Kriegsstimmung in Deutschland! 500 m Film für das Hinterland und die Lazarette. Die erbeutete Ladung im Wert von 40 Millionen Mark … sind nicht für das Hinterland und die Lazarette gedacht …
Plivier, Des Kaisers Kulis, S. 307
Nach Plivier besaß der Film eine Länge von 500 m, war also erheblich länger als die überlieferte Fassung. Auffällig ist, dass die Wolf nie von außen aufgenommen wird, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass sich das Schiff in einem durch die lange Fahrt und Sturmeinwirkung zum Teil erheblich beschädigten Zustand befand. Die Eingangssequenz, die die Wolf angeblich beim Einlaufen in Kiel zeigt, wurde vermutlich am Heck eines wesentlich kleineren und schnelleren Fahrzeugs gedreht. Die Aufnahme des Segelschulschiffs Großherzogin Elisabeth des Deutschen Schulschiffs-Vereins steht inhaltlich in keinem Zusammenhang zur Wolf-Reise und sollte offenbar maritimes Flair suggerieren.
Der Film war Jahrzehnte lang nur in einer gut vierminütigen Fassung überliefert und wurde offenbar vom Bundesarchiv-Filmarchiv restauriert.

Cassandra Steen

Cassandra Steen (* 9. Februar 1980 in Ostfildern-Ruit) ist eine in Deutschland lebende US-amerikanische Pop- und R&B-Sängerin.

Cassandra Steens Eltern trennten sich schon vor ihrer Geburt. Bei ihren Großeltern wuchs sie auf einem US-Armeestützpunkt bei Stuttgart zweisprachig auf, da innerhalb der Familie ausschließlich englisch gesprochen wurde. Sie besitzt nach eigenen Angaben ausschließlich die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Steen ist seit Dezember 2013 mit ihrem Manager Stephan Kocian verheiratet.
Bekanntheit erlangte Cassandra Steen erstmals im Alter von 17 Jahren als Duettpartnerin von Freundeskreis auf dem Album Quadratur des Kreises. Zahlreiche Festival- und Open-Air-Auftritte mit der Band folgten, ehe sie 1998 von Booya Music als Solokünstlerin unter Vertrag genommen wurde. Zwei Jahre später wurde 3P-Labelchef Moses Pelham über ein Demo-Tape auf die Sängerin aufmerksam und schloss nach ersten gemeinsamen Aufnahmen im Studio einen Vertrag mit ihr ab.
Kurz nach Vertragsunterzeichnung machte sie sich als Leadsängerin des Trios Glashaus einen Namen. Aus der Zusammenarbeit mit Pelham und Martin Haas resultierte neben drei kommerziell erfolgreichen Alben 2003 auch eine Soloveröffentlichung unter dem Titel Seele mit Herz. Des Weiteren war sie als Background- und Chorusstimme Label-Kollegen wie Illmatic und Sabrina Setlur behilflich.
Seit 2003 ist Cassandra Steen auch außerhalb von 3P als Feature auf Neuerscheinungen von anderen Interpreten wie Azad, J-Luv, W4C, Melbeatz, Freundeskreis, Curse, Tone, Bushido und Xavier Naidoo zu hören. In Zusammenarbeit mit Bushido entstand 2005 die Singleauskopplung Hoffnung stirbt zuletzt.
Anfang 2009 veröffentlichte Cassandra Steen ein Soloalbum mit dem Titel Darum leben wir. Mit der ersten und gleichnamigen Singleauskopplung vertrat sie ihr Bundesland Baden-Württemberg beim Bundesvision Song Contest 2009 am 13. Februar in Potsdam und belegte den vierten Platz. Die Single Darum leben wir wurde am 30. Januar 2009 veröffentlicht. Im Sommer 2009 platzierte sich die gemeinsam mit Adel Tawil aufgenommene Single Stadt bis auf Platz 2 der Deutschen Charts und erlangte Platinstatus. Für die deutsche Fassung des Disney-Films Küss den Frosch synchronisierte sie die Titelrolle der Tiana und sang gemeinsam mit dem US-amerikanischen R’n’B-Sänger Ne-Yo den Song Never Knew I Needed. Dieser schaffte es auf Platz 64 der deutschen Single-Charts, in Portugal konnte der Titel Platz 15 erreichen.
Am 29. April 2011 veröffentlichte sie mit Mir so nah ihr drittes Soloalbum. Für die erste Single-Auskopplung Gebt alles arbeitete sie erneut mit Adel Tawil zusammen. Am 5. August 2011 erschien die zweite Single-Auskopplung Tanz.
Bei der KiKA-Casting-Show Dein Song übernahm Cassandra Steen 2014 zum zweiten Mal eine Musikpatenschaft, nachdem sie bereits 2009 dabei war. Gemeinsam mit Vincent Ott sang sie im Finale am 4. April das Lied Shades & Shadows. Im Televoting verloren sie aber gegen DJ BoBo und dessen Schützling Pier Luca Abel.

Sonnensprachtheorie

Die Sonnensprachtheorie (Türkisch: Güneş Dil Teorisi) war ein sprachpsychologisches Konstrukt, dem zufolge der „Urmensch“ der „türkischen Rasse“ angehörte. Aus dessen Urlauten soll sich das Prototürkische als Ursprung aller Sprachen entwickelt haben. Die Sonnensprachtheorie wurde seit 1935 in der Türkei propagiert und galt in den Jahren 1936 bis 1938 als Staatsdoktrin. Sie bildete den Anfang und das Ende der extremen Phase der türkischen Sprachreformen.

Die Sonnensprachtheorie geht auf den serbischen Gelehrten Hermann Feodor Kvergić (1895–1948/49) zurück, der 1927 in Wien promoviert wurde. Dieser hatte in einer unveröffentlichten Schrift Die Psychologie einiger Elemente der türkischen Sprache die Behauptung aufgestellt, Türkisch sei die Mutter aller Sprachen. Das Erstaunen des frühzeitlichen Menschen über die Sonne habe zu bestimmten Urlauten geführt. Im Türkischen meinte Kvergić diese Laute lokalisieren zu können. Nach dieser Theorie gingen alle Sprachen der Welt auf das „Prototürkische“ des „Urmenschen“ zurück.
Umstritten ist, ob Mustafa Kemal Atatürk an die Sonnensprachtheorie glaubte oder sie als Maßnahme zum Beenden des von der Türk Dil Kurumu geführten Sprachpurismus einsetzte.
Vermutlich wurde die Sonnensprachtheorie angenommen, weil Atatürk mit den Sprachreformen und den von der Türk Dil Kurumu gemachten Bestrebungen zum Sprachpurismus nicht ganz zufrieden war. Nahm man Türkisch als Mutter aller Sprachen an, mussten arabische und persische Wörter nicht länger durch türkische Wörter ersetzt werden, da der Theorie nach die Wurzel dieser Sprachen ohnehin Türkisch war.
Auf Initiative von Atatürk wurde die Sonnensprachtheorie von 1936 bis 1938 als Pflichtfach an der Sprachwissenschaftlichen Fakultät der Universität Ankara gelehrt. In der Folge entwickelte man groteske Etymologien, die diese Theorie untermauern sollten. Ferner diente die Sonnensprachtheorie zur linguistischen Absicherung der Türkischen Geschichtsthese (Türk Tarih Tezi), der zufolge die Hochkulturen der Hethiter und Sumerer auf die Einwanderung turkstämmiger Gruppen zurückzuführen seien. Die Geschichtsthese wurde nach Atatürks Tod 1938 allmählich aufgegeben, die Sonnensprachtheorie sehr plötzlich fallengelassen.

Antikolonialismus

Als Antikolonialismus bezeichnet man die Gesamtheit der gegen die Kolonialpolitik gerichteten Bestrebungen. Diese können von der Kritik an einzelnen Maßnahmen über prinzipielle Kritik bis zum bewaffneten Widerstand gegen Kolonialmächte reichen.

Bartolomé de Las Casas schilderte in seiner Brevísima relación de la destrucción de las Indias occidentales (1552; „Bericht über die Verwüstung der westindischen Länder“) die Massaker der europäischen Eroberer in Amerika. In Spanien bemühte man sich anschließend jahrhundertelang, seinen Bericht als haltlos hinzustellen (so genannte leyenda negra). Michel de Montaigne kritisierte in seinen Essais die spanische Kolonialpolitik heftig und stellte einen kulturellen und moralischen Vorzug der Europäer in Abrede.
Der portugiesische Jesuit António Vieira kritisierte in seinen auch literarisch bedeutenden Werken die kolonialen Missstände in Brasilien. Er setzte sich vor Ort für die rechtlosen Ureinwohner ein und gilt als Apostel der Indianer Brasiliens. Vieira verurteilte zudem die Sklaverei.
Unter der Führung José Gabriel Condorcanquis, der sich Túpac Amaru II. nannte, fand 1780 ein großer Indianeraufstand gegen die Herrschaft der Spanier in Südamerika statt. Es handelte sich dabei um den größten von zahllosen Indioaufständen im 18. Jahrhundert.
In der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten erklärten die 13 britischen Kolonien 1776 ihre Loslösung vom Vereinigten Königreich. Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg wurde 1783 offiziell mit dem Pariser Frieden beendet.
Am 19. Februar 1788 wurde die Société des Amis des Noirs (dt.: „Gesellschaft der Freunde der Schwarzen“) in Paris gegründet. Ihr Ziel war die Abschaffung des Sklavenhandels und eine schrittweise Abschaffung der Sklaverei.
Im August 1791 begann auf Saint-Domingue, dem französischen Teil der Insel Hispaniola, der Aufstand der Sklaven, der letztlich zur Unabhängigkeit Haitis führte.
Nach der durch die Besetzung Spaniens durch Napoléon Bonaparte ausgelösten Krise (1808) begann unter der Führung von Simon Bolivar der Unabhängigkeitskampf in Südamerika. Zeitgleich floh die portugiesische Königsfamilie 1808 nach Brasilien, um die Unabhängigkeit Portugals vor den schließlich erfolgreich abgewehrten napoleonischen Eroberungsversuchen zu bewahren. Mit Rio de Janeiro stellte nun eine ehemalige Kolonie die Hauptstadt eines Kolonialreiches, ein historisches Unikum. Nach der Rückkehr des Königshauses nach Portugal führte dies zur Unabhängigkeit des Kaiserreichs Brasilien 1822.
Nachdem Aufstände und Revolten gegen die britische Herrschaft in Indien seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgekommen waren, machte insbesondere der indische Aufstand von 1857 den Briten die Fragilität ihres Empires bewusst.
In Kuba begann 1868 der Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien, blieb aber lange Zeit erfolglos.
Prinzipielle Kritik am Kolonialismus war im 19. Jahrhundert selten. Die Kritik richtete sich zumeist gegen bestimmte Auswüchse des Kolonialsystems, so etwa gegen die in den amerikanischen Kolonien immer noch existierende Sklaverei. Besonders vehement für ihre Abschaffung setzte sich vor 1848 der Franzose Victor Schoelcher ein.
In Deutschland trat vor allem Alexander von Humboldt, der in Amerika – speziell in Kuba – Zeuge der Sklaverei geworden war, gegen diese Form der Unterdrückung auf. Sein Werk über Kuba durfte wegen der fundamentalen Kritik in den Vereinigten Staaten nur in gekürzter Form auf den Markt kommen. Neben Humboldt war es vor allem der Afrikaforscher Dr. Heinrich Barth (1821–1865), der im britischen Auftrag große Teile Nordwestafrikas bereist hatte und im Norden des heutigen Nigeria Augenzeuge von Sklavenjagden geworden war. Barth hatte anfangs geglaubt, der Sklavenhandel könne durch die Einführung des legitimen Handels mit europäischen Fertigprodukten unterbunden werden, doch durchschaute er die tatsächlichen Pläne der britischen Regierung und wandelte sich zu einem radikalen Gegner des europäischen Eingreifens in Afrika. Er kritisierte die Missionen, die traditionelle Kulturen rücksichtslos zerstörten, und rechtfertigte den bewaffneten Widerstand der Afrikaner – vor allem gegen die Franzosen, die vom Senegal aus in Richtung Timbuktu drängten. Er blieb aber ungehört, da das deutsche Interesse an Schwarzafrika in den 1860er Jahren noch äußerst gering war.
Vor 1914 traf der Kolonialismus in Europa im Allgemeinen auf wenig prinzipielle Kritik. Der größte Teil der öffentlichen Meinung stellte die offizielle Propaganda, die Kolonialisierung nutze auch den Kolonisierten, nicht in Frage.
Zu den Ausnahmen zählte der niederländische ehemalige Kolonialbeamte Eduard Douwes Dekker. In seinem Roman Max Havelaar oder die Kaffeeversteigerungen der Niederländischen Handels-Gesellschaft, das unter dem Pseudonym Multatuli erschien, kritisierte er heftig die Verhältnisse in Niederländisch-Indien.
1885 wurde in Indien der Indische Nationalkongress (Indian National Congress) gegründet. Es handelte sich zunächst um eine wenig offensive Honoratiorenpartei. Die Teilung Bengalens 1905 durch Lord Curzon führte zu einer zweiten breiten antikolonialistischen Bewegung (nach dem Aufstand von 1857).
Am 26. Januar 1889 kritisierte August Bebel Carl Peters und seine Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft scharf. Am 17. Februar 1894 sagte er im Reichstag:
„Meine Herren, was bedeutet denn aber in Wahrheit Ihre christliche Zivilisation in Afrika? Täuschen Sie sich doch nicht darüber, oder versuchen Sie nicht, Andere zu täuschen – denn ich kann unmöglich glauben, daß Sie sich darüber täuschen – also: was bedeutet in Wahrheit diese ganze sogenannte christliche Zivilisation in Afrika? Äußerlich Christenthum, innerlich und in Wahrheit Prügelstrafe, Weibermißhandlung, Schnapspest, Niedermetzelung mit Feuer und Schwert, mit Säbel und Flinte. Das ist Ihre Kultur. Es handelt sich um ganz gemeine materielle Interessen, ums Geschäftemachen und um nichts weiter!“
Dass Bebel den Kolonialismus jedoch nicht grundsätzlich ablehnte, zeigte sich in seinen Aussagen vor demselben Forum in der Kolonialdebatte vom 1. Dezember 1906:
„Meine Herren, dass Kolonialpolitik betrieben wird, ist an und für sich kein Verbrechen. Kolonialpolitik zu treiben kann unter Umständen eine Kulturtat sein; es kommt nur darauf an, wie die Kolonialpolitik betrieben wird. Es ist ein großer Unterschied, wie Kolonialpolitik sein soll, und wie sie ist. Kommen die Vertreter kultivierter und zivilisierter Völkerschaften, wie es z. B. die europäischen Nationen und die nordamerikanische sind, zu fremden Völkern als Befreier, als Freunde und Bildner, als Helfer in der Not, um ihnen die Errungenschaften der Kultur und Zivilisation zu überbringen, um sie zu Kulturmenschen zu erziehen, geschieht das in dieser edlen Absicht und in der richtigen Weise, dann sind wir Sozialdemokraten die ersten, die eine solche Kolonisation als große Kulturmission zu unterstützen bereit sind.“
Als fundamentale Kolonialismuskritik kann man diese Ausführungen nicht werten.
1900 fand der Erste panafrikanische Kongress statt. 1905 veröffentlichte Pierre Mille Nous roulons sur des cadavres in den Cahiers de la Quinzaine.
Im Januar 1907 fanden die so genannten „Hottentottenwahlen“ statt. Zum ersten Mal war die Kolonialpolitik ein zentrales Wahlkampfthema in Deutschland.
1907 wurde im August auf dem Internationalen Sozialisten-Kongress in Stuttgart ein Resolutionentwurf, der keine prinzipielle Ablehnung des Kolonialismus enthält, nur mit knapper Mehrheit abgelehnt. Hintergrund waren Theorien einer „sozialistischen Kolonialpolitik“, in Deutschland vor allem durch Eduard Bernstein, Richard Calwer oder Georg von Vollmar. Die Kolonialpolitik der Sozialisten unterschied sich aber grundsätzlich von der der kapitalistischen Kolonialmächte und hatte vorwiegend den Export von Menschenrechten und die gesellschaftliche Entwicklung der Kolonien zum Ziel.
Zu den schärfsten Kritikerinnen des Kolonialismus zählte Rosa Luxemburg. Wie auch Karl Kautsky ordnete sie den Kolonialismus in das Gesamtphänomen des Imperialismus ein.
1931 fand die große Pariser Kolonialausstellung statt, die bei der Bevölkerung großen Anklang fand. Antikolonialistische Gruppen und französische Künstler protestierten. Die Ligue de Défense de la Race Nègre unter der Führung von Tiemoko Garan Kouyaté und die PCF organisierten eine antikolonialistische Gegenausstellung.
Im Oktober 1934 erschien Burmese Days, der Roman des ehemaligen Kolonialbeamten George Orwell in New York. Mehrere britische Verleger hatten die Veröffentlichung abgelehnt.
1935 kritisierten Intellektuelle im Manifeste pour le respect de la Loi internationale den Einmarsch Italiens in Äthiopien. Verteidigt wurde er im Manifeste des intellectuels français pour la défense de l’Occident et la paix en Europe, das im Oktober 1935 in Le Temps erschien und von vielen bekannten Schriftstellern, darunter zwölf Mitgliedern der Académie française, und von Leuten wie Marcel Aymé, Georges Blond, Pierre Drieu La Rochelle, Pierre Gaxotte, Thierry Maulnier ou Pierre Mac Orlan unterschrieben wurde.
Zahlreiche Unabhängigkeitsbewegungen kämpften teilweise erfolgreich für ihre Ziele.
Am 2. September 1945 proklamierte Ho Chi Minh nach der erfolgreichen Augustrevolution die Demokratische Republik Vietnam. Der Versuch der Franzosen, ihre Kolonialherrschaft wieder zu errichten, führte zum Indochinakrieg, der 1954 mit der vernichtenden Niederlage der Franzosen in der Schlacht von Điện Biên Phủ endete. Diese Niederlage hatte eine weltweite Signalwirkung auf antikoloniale Bewegungen.
1947 erhielt Indien die Unabhängigkeit. Im selben Jahr begann der Aufstand auf Madagaskar gegen die französischen Kolonialherren.
Im Oktober 1952 rief die britische Regierung zur Bekämpfung des Mau-Mau-Aufstands in Kenia den Ausnahmezustand aus. Der Aufstand wurde militärisch niedergeschlagen, aber der Skandal um Morde in Internierungslagern trug zur Unabhängigkeit bei.
In Frankreich unterstützte das Réseau Jeanson im Algerienkrieg aktiv die FLN. „Kofferträger“ waren auch in Deutschland aktiv. Im Manifest der 121 erklärten französische Intellektuelle 1960 die Verweigerung des Militärdiensts und die Unterstützung der algerischen Kämpfer für legitim.
Der 1961 einsetzende Portugiesische Kolonialkrieg führte zur Unabhängigkeit der portugiesischen Kolonien in Afrika. Nachdem die Nelkenrevolution 1974 das autoritäre Estado Novo-Regime in Portugal gestürzt hatte, entließ die neue linksgerichtete Regierung Portugals die Überseeprovinzen in die Unabhängigkeit und unterstützte diese aktiv. Damit endete die über 500-jährige Geschichte portugiesischer Besitzungen in Afrika.
Anlässlich der Feiern zum Jubiläum der „Entdeckung“ Amerikas durch Columbus kam es 1992 zu zahlreichen Protestkundgebungen.
Mit dem Ende der Apartheid glaubten viele, dass das Zeitalter des Kolonialismus endgültig zu Ende gegangen sei. Andere sind der Ansicht, dass die – von ihnen als Neokolonialismus bezeichnete – fortgesetzte ökonomische und politische Abhängigkeit vieler ehemaliger Kolonien zeige, dass das Phänomen noch nicht der Vergangenheit angehöre.
Aus dem ehemaligen von Fritz Behn geschaffenen „Reichskolonialehrendenkmal“ für die gefallenen deutschen Soldaten in den Kolonialkriegen wurde 1990 in Bremen das erste Antikolonialdenkmal in Deutschland.
Anthologien
Einzelne Texte
Deutschland
Frankreich
Einzelne Vertreter:
50er Jahre: Claude Bourdet, Pierre Stibbe, Sartre, Jeanson Albert-Paul Lentin (Politique-Hebdo); 70er Jahre: Mongo Beti
Großbritannien
Vietnam
USA
ab „Nostre monde vient d’en trouver un autre …“

Volksschule Regnitzlosau

Schulstraße 11
Die Volksschule Regnitzlosau ist eine Grundschule in Regnitzlosau.
Eine erste Schule wird in Regnitzlosau bereits 1601 erwähnt. Das erste Schulhaus aus dem Jahre 1615 brannte kurz nach seiner Erbauung ab. Das Nachfolgegebäude von 1660 wurde 1803 von dem jetzigen Gebäude oberhalb des Pfarrhauses der St.-Aegidienkirche abgelöst. Bis 1965 war die Schule dann im ehemaligen Rathaus untergebracht, bevor 1965 das neue Schulhaus in der Schulstraße 11 eingeweiht werden konnte, nachdem die alte Schule aufgrund der Einschulung der Kinder aus den Ortsteilen zu klein wurde. Eine Besonderheit war das Lehrschwimmbecken der Schule. 1989 wurde eine Turnhalle mit Außenanlagen angebaut. Bis zum 21. Jahrhundert wurden in Regnitzlosau Schüler bis zur sechsten Klasse unterrichtet. Vor einigen Jahren wurde die Teilhauptschule geschlossen und aus der Volksschule wurde eine reine Grundschule.
Die Schule bietet ein großes Angebot an Freizeitaktivitäten außerhalb des Unterrichts. Die AG Schulgarten bepflanzt die Grünflächen um die Schule und kümmert sich um einen Hasenstall, die AG Informatik vermittelt grundlegende Kenntnisse im Umgang mit Computern.

Traditionsabzeichen der 26. Panzer-Division

Das Traditionsabzeichen der 26. Panzer-Division, umgangssprachlich auch Grenadierkopf genannt, war ein internes Truppenabzeichen der gleichnamigen 26. Panzer-Division der deutschen Wehrmacht, das im Oktober 1944 durch eine Genehmigung Adolf Hitlers an der linken Seite der Feld- oder Schirmmütze von den Angehörigen dieser Division getragen werden durfte. Das Divisionsabzeichen erhielt durch diese Genehmigung auch seine offizielle Legitimation. Ein dazu erlassenes Schreiben vom 25. Oktober 1944, welche sich in einem Soldbuch eines Divisionsangehörigen befand, hat folgenden Wortlaut:
„Der Führer und oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat entschieden, daß das Traditionsabzeichen der 26.Pz.Div. (Grenadierkopf) – getragen links an der Mütze – beibehalten werden kann.“
Allerdings ist anzunehmen, dass es sich hierbei um eine nachträgliche Trageerlaubnis handelte, dass das Abzeichen irgendwann zwischen dem 14. September 1942, dem Zeitpunkt der Divisionsaufstellung und der Genehmigung im Oktober 1944 entstanden ist.

Die Entstehung des Abzeichens geht auf einen Streit des künftigen Divisionsabzeichens der 26. Panzer-Division sowie der neuaufgestellten 23. Infanterie-Division (23. ID) zurück. Die 26. Pz.-Div. wurde bei ihrer Aufstellung unter anderem auch mit Restkräften der alten 23. ID aufgefrischt, die in ihrem Divisionsabzeichen den Grenadierkopf getragen hatte und dieses nun für sich beanspruchte. Die Führungsebene der neu aufgestellten 23. ID beharrte jedoch darauf, das Logo ihrer Vorgängerdivision weiterhin nutzen zu dürfen. Die Streitigkeiten über das künftige Divisionsabzeichen nahm so eine große Dimension an, dass Hitler einschreiten musste und durch Führerentscheid beendet wurde. Hitler sprach der neu aufgestellten 23. ID den Grenadierkopf als Divisionsabzeichen zu, allerdings in leicht abgewandelter Form auch der 26. Panzer-Division, deren Form das Traditionsabzeichen bestimmte.
Das aus Buntmetall hergestellte versilberte Abzeichen der Firma Preissler aus Pforzheim zeigt das Divisionswappen der 26. Panzer-Division, einen antiken Grenadierkopf, der von einer stilisierten Laufrolle eines Panzers umschlossen wird. Das Mittelmedaillon ist je nach Fertigungsvariante durchbrochen oder geschlossen. Die Rückseite ist glatt und zeigt den eingeprägten Namenszug des Herstellers sowie eine senkrecht verlötete Broschiernadel oder nur einfache Biegelaschen aus Aluminium. Die Verleihung des Abzeichens erfolgte mit einer Verleihungsurkunde, die in der Regel durch Generalmajor Eduard Crasemann oder eines Abteilungskommandeurs unterschrieben wurde sowie einem Eintrag in das Soldbuch des Beliehenen. Das Abzeichen wurde nach dem Krieg von der Firma Preissler weiterhin unverändert gefertigt und wurde an einer langen Nadel am Revers zu Traditions- bzw. Regimentstreffen ehemaliger Angehöriger der Division getragen.
Eine exakte Verleihungszahl des Abzeichens ist bisher nicht publiziert worden. Mit Stichtag zum 1. November 1944, also nach der am 25. Oktober 1944 von Hitler erteilten Tragegenehmigung, belief sich die Gesamtstärke der Division auf 13.027 Mann. Somit erscheinen derartige Verleihungsgrößen am wahrscheinlichsten. Allerdings ist davon auszugehen, dass nicht alle Angehörigen der Division das Abzeichen tatsächlich erhalten haben. Zeitgenössische Abzeichen sind selten und werden auf dem heutigen Markt mit mehrerer Hundert Euro gehandelt.