Al Chouf Zedern-Nationalpark

IUCN-Kategorie II − National Park
Der Berg Barouk.
Al Shouf Cedar Nature Reserve (arabisch محمية أرز الشوف الطبيعية, DMG Maḥmīyat Arz aš-Šūf aṭ-ṭabīʿiyya) ist ein Naturreservat im Distrikt Chouf des Libanon. Es liegt an den Hängen des Berges Barouk (arabisch الباروك, DMG al-Bārūk) und umfasst ein Gebiet von 550 km², beinahe 5,3 % des Territoriums des Libanon. Der Park wird unter anderen von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und der Swiss Agency for Development and Cooperation unterstützt und 2005 in die Liste der Biosphärenreservate aufgenommen.
Das Reservat schützt die alten Haine von Libanon-Zedern in Barouk, Maaser el Shouf (arabisch معاصر الشوف, DMG Maʿāṣir aš-Šūf), Ain Zhalta (arabisch عين زحلتا, DMG ʿAin Zaḥaltā) und Bmohray (arabisch بمحراي). Es ist ein Important Bird Area (IBA). Im Reservat soll Ökotourismus gefördert werden. 32 Arten von Säugetieren, 200 Vogelarten und über 500 Pflanzenarten wurden beobachtet. Gründer des Reservats ist Walid Dschumblat.

Das Barouk-Gebirge besteht aus Ablagerungen des Pliozän die durch enorme plattentektonische Prozesse aufgefaltet wurden. Der Libanon besteht aus zwei parallelen Gebirgszügen: Anti-Libanon im Osten, und der eigentliche Libanon im Westen, näher an der Küste des Levantischen Meeres. Die beiden Gebirgszüge werden von der Bekaa-Ebene getrennt, ein Tal, welches durch geologisch junge Ablagerungen verfüllt wurde. Wichtigste Gesteinsart sind Kalksteine. Der komplette Barouk ist verkarstet mit häufigen Dolinen und Höhlen. Eine bekannte Höhle liegt in der Nähe des Dorfes Niha. Diese Höhle ist auf ca. 700 m zugänglich.
Das Gebirge steigt bis auf eine Höhe von 1980 m über dem Meer an (bei Dahr El Baidar). Die Berghänge werden auf der Ostseite des Gebirges zunehmend flacher, während sie auf der Westseite beständig an Steilheit zunehmen. Der Gebirgskamm verschmälert sich, je weiter man nach Süden kommt.
Die Böden gehören zu den Mediterranen Rot- und Braunerden, die sich auf harten Kalkuntergründen herausbilden. Die Gesteine gehören zu den Jura-Formationen des Bathonium, Callovium, Oxfordium bis hin zum Kimmeridgium. Der Gesteinsanteil liegt bei 80-90 %. Die Böden befinden sich in einem Gleichgewicht, da sie sehr durchlässig sind, viele kalkhaltige Elemente enthalten und eine gesunde Vegetationsdecke aufweisen. Daher sind sie kaum erosionsgefährdet.
Durch aufsteigende Winde vom Meer und Steigungsregen kommt es auf der Westseite des Gebirges zu relativ viel Niederschlag. Schneefall ereignet sich meist nur in den höheren Gebirgslagen und verschwindet meistens schon nach wenigen Tagen wieder, spätestens bis zum Ende der Regenzeit. Aufgrund der Karststruktur des Gebirges dringt der größte Teil des Wassers schnell in den Untergrund ein, obwohl die Böden relativ flach sind und nicht viel Wasser aufnehmen können. Grundwasser speist die zahlreichen ergiebigen Quellen an den unteren Hängen das Gebirges. Die meisten davon führen auch in der trockenen Jahreszeit von April bis November Wasser und speisen die großen Flüsse der Region:
Die Flüsse sind die Hauptquellen für landwirtschaftliche Bewässerung und bilden die Wasserversorgung für mehrere Dörfer des Chouf und einige der Dörfer in der westlichen Bekaa-Ebene. Sie bewässern auch den Aammiq-Sumpf arabisch آمق in der Bekaa-Ebene.
Die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 1200 mm, die mittlere Jahrestemperatur bei 11.3 C. Die mittlere Tagestemperatur liegt bei 23.4 C im August, während im Januar Werte von -0.6 C verzeichnet werden. Die absolute Temperaturskala liegt zwischen -10.8 C im Januar und 32.3 C im August. Die mittlere relative Luftfeuchte liegt bei 65 %, wobei anzumerken ist, dass die Osthänge trockener sind. Es gibt 50 bis 55 Tage Schneefall jährlich laut den Angaben des Ministeriums für Arbeit und Transport.
Die Flora des Gebietes wurde teilweise in der Flora of Lebanon von Paul Mouterde SJ 1966, 1970 und 1983 beschrieben. In neuerer Zeit hatte das Umweltministerium (Protected Areas Project) Georges Tohmé 1999 vom National Council for Scientific Research (NCSR) mit Untersuchungen beauftragt. 2002 wurden einige Ergebnisse davon veröffentlicht. Man hat 500 verschiedene Pflanzenarten aus 61 Familien gezählt. Davon sind 25 Arten international und national gefährdet, 48 endemisch im Libanon oder in Libanon und Syrien oder Libanon und Türkei. 214 Arten gehören zum Ost-Mediterranen Naturraum, beziehungsweise zum Naturraum Mittlerer Osten.
24 Baumarten wurden gezählt und der offizielle Auftrag des Reservats besteht darin, die letzten natürlichen Vorkommen der Libanon-Zeder zu schützen und zur Wiederaufforstung beizutragen. Neben der Libanon-Zeder sind folgende Arten bestandsbildend: Zypern-Eiche (Quercus infectoria), Brants Eiche (Quercus brantii), Kermes-Eiche (Quercus calliprinos), Kalabrische Kiefer (Pinus brutia), Aleppo-Kiefer (Pinus halepensis), Pinie (Pinus pinea), Griechischer Wacholder (Juniperus excelca), Syrischer Wacholder (Arceuthos drupacea).
Kermes-Eiche
Kalabrische Kiefer
Aleppo-Kiefer
Pinie bzw. Italienische Steinkiefer
Wildschwein
Syrischer Steinbock
Wildziege
Wolf
Karakal
Goldschakal
Persischer Damhirsch
Zwei Vogelarten wurden zu Jagdzwecken eingeführt: Steinhuhn (Alectoris graeca) und Fasan (Phasianus colchicus). Die wichtigsten Groß-Greifvögel sind: Gänsegeier (Gyps fulvus) und Steinadler (Aquila chrysaetos).
Chukarhuhn
Fasan
Die Unterart des Eichelhähers Garrulus glandarius atricapillus in Israel
Amselhahn
Turmfalke
Steinadler
Distelfink
Adler-Porträt
Palestinaviper
Chameleon
Landschildkröte
Johannisechse
Erdkröte
Wechselkröte
Kleinasiatischer Feuersalamander
Laubfrosch
Die Zedernwälder des Libanon haben Geschichte, denn sie gehören zu den ältesten dokumentierten Wälder der Welt. Die Zedern wurden schon in der Zeit der Sumerer im dritten Jahrtausend vor Christus beschrieben und im Gilgamesch-Epos spielen die Zedern eine tragende Rolle.
Das verworrene System verschiedenster Kulturen, Religionen und weltpolitischer Ereignisse hat das kulturelle Erbe des Chouf bestimmt. Kulturell ist das Gebiet mindestens so reich wie in Bezug auf seine Naturschätze.