Private Finanzplanung

Private Finanzplanung (auch: persönliche Finanzplanung oder englisch Personal financial planning) ist die Finanzplanung der Privathaushalte.

Die Privathaushalte (Alleinstehende und Familien) können bei ihrer Finanzplanung auf dieselben Planungsmethoden und –instrumente zurückgreifen

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, wie sie die Betriebswirtschaftslehre für Unternehmen und öffentliche Haushalte entwickelt hat. Dort wird die Finanzplanung als Teil der gesamten Unternehmensplanung unter besonderer Berücksichtigung der Finanzierungs- und Unternehmensziele diskutiert. Erich Kosiol zufolge ist Finanzplanung eine regelmäßige Aufgabe der Finanzwirtschaft, die in gleichen Zeitabständen vorzunehmen ist. Der aktuelle Kapitalbedarf wird durch Finanzierung bereitgestellt, bei der zwischen Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung zu unterscheiden ist. Wesentlicher Unterschied zwischen den Unternehmen und den Privathaushalten ist, dass letztere oft über wenig oder keine finanzielle Allgemeinbildung verfügen und deshalb auch Finanzplanungstechniken ohne Fachkenntnisse nicht zum Erfolg führen.

Die private Eigenfinanzierung erfolgt aus dem Einkommen der Haushalte, das sich aus Arbeitseinkommen, Kapitaleinkommen oder Transfereinkommen zusammensetzen kann. Ferner gehören Verfügungen über Ersparnisse (Sparen im weitesten Sinne) oder über Erlöse aus der Veräußerung von Vermögensgegenständen zur Eigenfinanzierung. Diese Finanzierungsquellen stehen – isoliert oder kombiniert – für größere Anschaffungen zur Verfügung, die ein Haushalt vornimmt (Hausrat, Automobile, Wohnimmobilien). Reichen die Mittel der Eigenfinanzierung nicht aus, muss der Haushalt über die Aufnahme von Krediten entscheiden. Spätestens in diesem Falle ist vom Haushalt ein Finanzierungsplan aufzustellen, der bei Kreditinstituten als wichtige Kreditunterlage gilt und ein Bestandteil privater Finanzplanung darstellt.

Private Finanzplanung scheitert häufig an fehlender oder unzureichender finanzieller Allgemeinbildung. Der Finanz-Alphabetismus umfasst sowohl das abstrakte Wissen über grundlegende finanzielle Zusammenhänge und die Funktionsweise von Finanzprodukten als auch die konkrete Erfahrung im Umgang mit Bank- und Versicherungsprodukten. Schwachstellen der Verbraucher sind vor allem Zahlungsverkehr, Kapitalanlage, Kreditaufnahme und Versicherungen. Einer Studie der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahre 2004 zufolge gaben 47,3 % der Befragten an, sich nur ungern mit Finanzen zu beschäftigen, 50,2 % schieben finanzielle Entscheidungen auf, obwohl 61 % dafür Zeit hätten, und 61,8 % empfinden Finanzfragen als schwierig. Einerseits ist das grundlegende finanzielle Wissen für angemessene Vorsorge- und Anlageentscheidungen in weiten Teilen der Bevölkerung nicht ausreichend, andererseits steigt der Anteil richtiger Antworten in der Regel mit Bildungsgrad und Einkommen; auch trauen sich Befragte eine Antwort auf die Finanzfragen umso häufiger zu bzw. verweigern die Antwort umso seltener, je höher ihr Bildungsgrad oder Einkommen ist.

Private Finanzplanung umfasst die lebenszyklusorientierte Prognose eines Privathaushalts über die künftige Entwicklung von Einnahmen/Ausgaben und Vermögen/Schulden unter Berücksichtigung von Finanzierungs-, Geldanlage-, Altersvorsorge-, Nachfolge- und Steueraspekten bei Beachtung der individuellen finanziellen Ziele. Sie dient der Vorbereitung von Entscheidungen in persönlichen finanzwirtschaftlichen Angelegenheiten und wird in der Fachliteratur oft auf Anlageberatung verengt. Aber auch die Entscheidung darüber, ob jemand sich finanziell ein Automobil leisten kann, ist genauso Teil der privaten Finanzplanung wie der Entschluss, sich vor Schadenstragungen durch Versicherungen zu schützen.

Daneben berücksichtigt eine umfassende Finanzplanung auch rechtliche, psychologische, philanthropische und ethische Fragen, die Planung von Ausbildung, Karriere, Freizeitbudget und Ruhestandseintritt sowie die Weitergabe von Vermögen über Familiengenerationen hinweg, einschließlich der Gestaltung von Testamenten, Eheverträgen, Schenkungen oder der Begründung von Stiftungen. Sie umfasst außerdem auch die private interne Revision, d.h. die Überwachung der Struktur und Entwicklung von Zahlungsströmen, Vermögensgegenständen, Verbindlichkeiten, sowie die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eines Haushalts.

Im Gegensatz zu vielen Ad-hoc-Entscheidungen, wie sie bei Privatpersonen im Alltag üblich sind (Spontankauf), setzt die private Finanzplanung auf ein systematisches Vorgehen. Dazu greift sie auf Analysemethoden zurück, die aus der betrieblichen Finanzplanung entlehnt sind. Es werden in einem ersten Schritt die Ziele sowie die finanzielle, persönliche und familiäre Ausgangssituation des Privathaushalts erfasst. Dies umfasst eine Datenerhebung, z. B. Aufstellen einer privaten Bilanz mit Vermögensanlagen, Versicherungsverträgen, Darlehensverpflichtungen, Immobilien sowie Versorgungsansprüchen im Alter und bei Krankheit, gegebenenfalls auch weitergehende Tätigkeiten des privaten Rechnungswesens, z. B. die private Buchführung wie bei einem Haushaltsbuch. So können Rückschlüsse auf Realisierbarkeit der Ziele, auf vorhersehbare Ereignisse sowie auf Risiken gezogen werden. Zunächst wird dann die benötigte Absicherung gegen finanziell existenzbedrohende Ereignisse und Risiken ermittelt (z. B. Invalidität, Haftpflicht, bei finanziell abhängigen Angehörigen auch Tod).

Nach veralteter, klassischer (nach wie vor jedoch vorherrschender) Methodik führt man anhand der Daten für die laufenden Einkünfte eine Budgetplanung durch und investiert das verbleibende Geld durch Sparen langfristig, soweit nicht noch Kredite bestehen, die damit zurückgezahlt werden können. Es soll dabei bis zum Ruhestand vermehrt oder zumindest erhalten werden, und unnötige Risiken sollen vermieden werden. Das moderne Paradigma hingegen (Robert Merton, Paul Samuelson, Zvi Bodie) sieht das Ziel umgekehrt in der optimalen risikopräferenzangemessenen Verteilung von Ausgaben über die Lebensdauer (siehe auch Lebenszyklusmodell). Dabei wird eine (je nach Risiko mehr oder weniger stark schwankende) Sparquote durch ein Modell vorgegeben, und für den verbleibenden Rest muss dann eine Budgetplanung durchgeführt werden.

Zwei wesentliche Problemstellungen ergeben sich bei der Anlageplanung für die verfügbaren finanziellen Mittel, und zwar einerseits die so genannte Asset Allocation und andererseits die so genannte Asset Location. Die Asset Allocation beschäftigt sich mit der Auswahl der Anlageklassen (z. B. Aufteilung zwischen riskanten Anlagen wie Aktien und sicheren Anlagen wie Spareinlagen, Auswahl und Gewichtung der Einzelanlagen wie einzelner Aktien und Anleihen). Die Asset Location beschäftigt sich mit der Frage, in welcher steuerlichen Gestaltung Finanzprodukte für diese Anlagen möglichst effizient angeschafft werden sollten (z. B. Direktanlage, Fonds, Versicherungsmantel).

Die Haushalte müssen in ihrer privaten Finanzplanung drohende finanzielle Risiken berücksichtigen, insbesondere die zwanghafte Konsumneigung (Konsumismus), unzureichende Anpassung der Ausgaben an sinkende Einnahmen, die Vermeidung allgemeiner Lebensrisiken, Arbeitsunfähigkeit, Krankheit, Scheidung, Tod naher Angehöriger, unversicherte Schadenshaftungen, unerwartete Nachzahlungen (Betriebskosten oder Steuern), Gefahren durch konzentrierte Kapitalanlagen (Klumpenrisiko oder Granularität) oder durch überhohen Kapitaldienst bei Krediten infolge von Überschuldung. Viele dieser Risiken sind versicherbar, die nicht versicherbaren müssen durch Selbstversicherung aus dem eigenen Vermögen getragen werden. Dieses entsteht durch Vermögensbildung, die auch als Bildung von Rückstellungen und Rücklagen angesehen werden kann, wozu Unternehmen und öffentliche Haushalte gesetzlich verpflichtet sind. Je knapper die Finanzierungsquellen sind, umso detailfreudiger muss eine private Finanzplanung erfolgen.

Im Jahr 2015 mussten 107.919 Bundesbürger (Privatpersonen und ehemals Selbstständige) eine Privatinsolvenz anmelden. Das entspricht einem Rückgang um 6,4 % gegenüber dem Vorjahr. Entgegen dem Trend stiegen Bürgel Wirtschaftsinformationen zufolge die Privatinsolvenzen bei den Senioren (61 Jahre und älter) das vierte Mal hintereinander an. Nach den starken Anstiegen in den letzten Jahren (2012: + 1,2 Prozent, 2013: + 8,4 Prozent, 2014: + 13,9 Prozent) nahmen die Privatinsolvenzen in dieser Altersgruppe 2015 um 0,6 Prozent zu; ein Indikator für die zunehmende Altersarmut. Zwar sind die Privatinsolvenzen insgesamt seit 2001 rückläufig, doch konnte die Zahl von 100.000 Privatinsolvenzen nicht unterschritten werden. Das hohe Niveau an Privatinsolvenzen in Deutschland scheint zu signalisieren, dass viele Bürger mit der privaten Finanzplanung überfordert sind.

Hauptanbieter von privater Finanzplanung als Dienstleistung sind Kreditinstitute (bei Banken, Sparkassen oder Genossenschaftsbanken oft als Teil des Private Banking), Finanzvertriebe, Vermögensverwaltungen sowie freie Anlageberater und Makler.

Daneben gibt es auch kleinere Anbieter wie Honorarberater und vereinzelt auch Steuerberater, die private Finanzplanung gegen Entgelt im Mandatsverhältnis erbringen. Es gibt in vielen Staaten Berufsverbände von Finanzplanern, die ihre Sichtweise zu Kriterien für gute Finanzplaner veröffentlichen; typischerweise etwa: eine lange Erfahrung in der privaten Finanzberatung, einwandfreier Lebenslauf, Qualifikationsnachweise, Abwesenheit von Vertriebsinteressen, Zusammenarbeit mit dem Steuerberater des Mandanten, ausreichende Vermögenschadenshaftpflichtversicherung. Der größte Berufsdachverband der Finanzplaner in den USA ist die Financial Planning Coalition (FPC), bestehend aus dem Certified Financial Planner Board of Standards (CFP Board), der Financial Planning Association (FPA), sowie der National Association of Personal Financial Advisors (NAPFA).