Olympische Sommerspiele 2012/Fußball

Bei den Olympischen Spielen 2012 in London wurden vom 25. Juli bis 11. August 2012 zwei Wettbewerbe im Fußball ausgetragen. Am Turnier der Frauen nahmen zwölf Mannschaften teil, bei den Männern waren es 16 Mannschaften. Ausgetragen wurden die Spiele nicht nur in London, sondern in verschiedenen Stadien Großbritanniens. Das Turnier wurde für Frauen und Männer parallel ausgetragen.

Sieger bei den Männern wurde mit Mexiko, das erstmals eine Medaille gewann, auch erstmals ein Mitglied der CONCACAF. Da zudem die USA bei den Frauen ihren Titel verteidigten, wurden erstmals bei Männern und Frauen zwei Mitglieder einer Konföderation Olympiasieger.

Wie seit dem Turnier 1996 in Atlanta wurden bei den Männern nur U-23-Mannschaften zugelassen, die mit maximal drei älteren Athleten verstärkt werden durften. Diese Einschränkung gab es bei den Frauen nicht. Die FIFA richtete dieses Mal für die Dauer des olympischen Turniers einen Abstellungszeitraum ein, damit es nicht wieder zum Streit zwischen Vereinen und FIFA um die Abstellungspflicht der Spieler kommt. Positiv für die Vereine war auch, dass das olympische Turnier dieses Mal noch vor Beginn der meisten europäischen Ligen endete.

Es wurden 616 Spielerinnen und Spieler für die beiden Turniere gemeldet; zwölf Mannschaften bei den Frauen und 16 bei den Männern mit jeweils 18 Spielerinnen bzw. Spielern. Zudem konnte jede Mannschaft vier Spieler bzw. Spielerinnen benennen, die bei Verletzungen eingesetzt werden konnten. Hiervon machten Brasilien, Gabun, die Vereinigten Arabischen Emirate und Weißrussland bei den Männern sowie Kanada und Nordkorea bei den Frauen Gebrauch.

Die über 1,5 Millionen Zuschauer bei den 32 Spielen der Männer bedeuten Rekord bei einem olympischen Fußballturnier.

Die Spiele wurden in sechs verschiedenen Stadien in Großbritannien ausgetragen. Die beiden großen Finale fanden in London im Wembley-Stadion statt, das kleine Finale der Frauen in Coventry, das der Männer in Cardiff. Das Wembley-Stadion war mit einer Kapazität für 90.000 Zuschauern das größte Stadion beim Turnier.

Auch bei diesen Turnieren wurde, wie schon 1984, 1992 und 1996 kein Spiel im eigentlichen Olympiastadion in London ausgetragen.

In den Gruppen wurde die Rangfolge nach folgenden Kriterien ermittelt:

Beim Frauenturnier qualifizierten sich auch die beiden besten Gruppendritten. Deren Reihenfolge wurde durch die Kriterien 1, 2, 3 und 7 ermittelt, wobei das 3. und 7. Kriterium nicht zur Anwendung kamen.

Ab dem Viertelfinale folgte bei unentschiedenem Spielstand zunächst eine Verlängerung von zweimal 15 Minuten, bestand danach immer noch Gleichstand, entschied ein Elfmeterschießen.

Die drei Startplätze des asiatischen Verbandes AFC wurden in verschiedenen Qualifikationsrunden von 2011 bis 2012 ausgespielt. Zwischen dem 23. Februar und dem 9. März 2011 qualifizierten sich in einer Vorqualifikation elf Mannschaften, die zusammen mit 13 gesetzten Mannschaften zwischen dem 19. und 23. Juni 2011 in Ausscheidungsspielen die zwölf Teilnehmer der letzten Qualifikationsrunde ermittelten. Diese zwölf Mannschaften spielten zwischen September 2011 und März 2012 in drei Gruppen mit je vier Mannschaften die drei Startplätze für das olympische Turnier aus. Die Gruppensieger waren direkt qualifiziert. Als erste asiatische Mannschaft konnte sich Südkorea am 22. Februar 2012 qualifizieren. Am 14. März konnten sich zudem Japan und erstmals die Vereinigten Arabischen Emirate qualifizieren. Die Zweitplatzierten Oman, Syrien und Usbekistan spielten vom 25. bis 29. März 2012 im Rahmen eines Turniers „Jeder gegen Jeden“. Der Gewinner Oman bestritt dann am 23. April im Stadion von Coventry das Playoff-Spiel gegen den Senegal, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Für den afrikanischen Verband CAF spielten 16 Mannschaften in verschiedenen Gruppen 2012 die drei Teilnehmer am olympischen Turnier aus. Die Gruppenzweiten spielten den Teilnehmer aus, der das Play-Off-Duell gegen den asiatischen Vertreter bestreiten durfte. Ägypten, Gabun und Marokko konnten sich direkt qualifizieren, der Senegal spielte am 23. April gegen den Oman um den letzten Startplatz und konnte sich erstmals qualifizieren. Auch für Gabun war es die erste Teilnahme am olympischen Fußballturnier.

Aus dem nord- und zentralamerikanischen Verband CONCACAF qualifizierten sich zwei Mannschaften. Das Qualifikationsturnier mit acht Mannschaften fand vom 22. März bis 2. April 2012 in den USA statt. Neben den vorqualifizierten Mannschaften aus den USA, Kanada und Mexiko nahmen an diesem Turnier Kuba und Trinidad & Tobago aus der Karibik sowie El Salvador, Honduras und Panama aus Zentralamerika teil. Mexiko und Honduras konnten sich qualifizieren.

Das Qualifikationsturnier der UEFA war die U-21-Fußball-Europameisterschaft vom 11. bis 25. Juni 2011 in Dänemark. Die besten drei Mannschaften qualifizierten sich für das olympische Turnier. Da England nicht das Halbfinale erreichte, waren nur Spanien und die Schweiz als Finalisten direkt qualifiziert. Die unterlegenen Halbfinalisten Tschechien und Weißrussland spielten – in einem eigens für die Olympiaqualifikation angesetzten Spiel um Platz drei – den letzten europäischen Olympiastartplatz gegeneinander aus. Zunächst war ein Spiel um Platz drei nicht vorgesehen. In diesem Spiel qualifizierte sich erstmals die weißrussische Mannschaft für das olympische Turnier.

Großbritannien war als Gastgeber automatisch qualifiziert und nahm erstmals seit 1960 wieder am olympischen Fußballturnier der Männer bzw. erstmals überhaupt am Turnier der Frauen teil. Unklar war zunächst noch, ob es gesamtbritische Mannschaften geben würde. England hoffte auf eine gemeinsame Teilnahme mit Schottland, Wales und Nordirland, allerdings waren die anderen Verbände eher abgeneigt, da sie um ihre Eigenständigkeit fürchten. Die vier britischen Fußballverbände einigten sich schließlich darauf, dass die englische Football Association (FA) für die Zusammenstellung der Mannschaften verantwortlich sein sollte und diese als „Team GB“, da automatisch qualifiziert, das Gastgeberland (im Namen des Olympischen Komitees von Großbritannien und Nordirland) vertraten.

Der eine Startplatz des ozeanischen Verbandes OFC wurde vom 16. bis 25. März 2012 bei einem Turnier in Taupo (Neuseeland) ermittelt. An dem Turnier nahmen die U-23-Mannschaften von Amerikanisch-Samoa, Fidschi

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, Salomonen und Vanuatu (Gruppe A), sowie Neuseeland, Papua-Neuguinea und Tonga (Gruppe B) teil. Neuseeland konnte sich im Finale gegen Fidschi mit 1:0 durchsetzen und nahm zum zweiten Mal am Fußballturnier der Olympischen Spiele teil.

Bei der U-20-Fußball-Südamerikameisterschaft vom 16. Januar bis 12. Februar 2011 in Peru wurden die zwei Startplätze des südamerikanischen Verbandes CONMEBOL ausgespielt. In der Finalrunde setzten sich die uruguayische und brasilianische U-20-Nationalmannschaft durch und qualifizierten sich als erste Männer-Mannschaften für das olympische Turnier. Für Uruguay war es die erste Teilnahme seit 1928 als die A-Nationalmannschaft Olympiasieger wurde.

Für das olympische Fußballturnier konnten sich schließlich folgende Mannschaften qualifizieren:

Die Auslosung der Gruppen fand am 24. April 2012 statt. Die qualifizierten Mannschaften wurden auf je vier Lostöpfe verteilt. Zudem wurden einige Mannschaften als Gruppenkopf der Gruppen A bis D gesetzt.

Lostöpfe des Männerturniers:

Die Spiele des Männerturniers begannen einen Tag vor der eigentlichen Eröffnung der Olympischen Spiele. Mit Ausnahme der ersten beiden Spiele der Gruppe C wurden die ersten beiden Spieltage jeder Gruppe als Doppelveranstaltungen durchgeführt. Der dritte Spieltag fand jeweils parallel in verschiedenen Stadien statt, wobei auch teilweise Doppelveranstaltungen von Spielen verschiedener Gruppen stattfanden.

Kursiv: Nicht eingesetzt.

Anmerkung: Sortierung bei gleicher Torzahl gemäß Anzahl Torvorlagen, bzw. gespielter Zeit.

Die dem asiatischen Verband AFC zustehenden zwei Startplätze wurden in einem Rundenturnier zwischen den sechs Mannschaften Australien, China, Japan, Südkorea, Nordkorea und Thailand vom 1. bis 11. September 2011 in China ausgespielt. Dabei konnten sich Japan und Nordkorea durchsetzen. Dieser Hauptrunde vorhergegangen waren zwei Vorqualifikationsrunden, die im März bzw. Juni 2011 ausgetragen wurden. Für die zweite Vorqualifikationsrunde, die in Jordanien ausgetragen wurde, hatten sich aus der ersten Runde Iran, Jordanien, Usbekistan, Vietnam und Thailand qualifiziert. Beim Qualifikationsturnier setzte sich Thailand mit drei Siegen – davon einer am grünen Tisch nach der Disqualifikation der iranischen Mannschaft – und einem Remis durch.

Die zwei Startplätze des afrikanischen Verbandes CAF wurden in insgesamt vier Qualifikationsrunden ausgespielt. In den entscheidenden Play-off-Spielen standen sich Nigeria und Kamerun sowie Südafrika und Äthiopien gegenüber. Die Hinspiele fanden am 27. August 2011 statt, die Rückspiele am 11. September (zwischen Äthiopien und Südafrika) bzw. 22. Oktober 2011 (zwischen Kamerun und Nigeria) statt. Südafrika und Kamerun konnten sich für das olympische Fußballturnier qualifizieren.

Die zwei Mannschaften des nord- und mittelamerikanischen Verbands CONCACAF wurden 2012 in Kanada zwischen acht Mannschaften ausgespielt. Zu den drei vorqualifizierten Mannschaften aus Kanada, Mexiko und den USA kamen noch drei Mannschaften aus der Karibik und zwei aus Zentralamerika. Bei Turnieren in der Dominikanischen Republik und Aruba vom 29. Juni bis 9. Juli 2011 qualifizierten sich die Dominikanische Republik, Haiti und Kuba für das Finalturnier. Die zentralamerikanischen Teilnehmer des Finalturniers wurden bei einem Turnier vom 30. September bis 8. Oktober 2011 in Guatemala-Stadt ermittelt. Costa Rica und Guatemala setzten sich dabei durch. Das Finalturnier fand vom 19. bis 29. Januar 2012 in Vancouver statt. Bei dem Turnier qualifizierten sich Rekordolympiasieger USA und Gastgeber Kanada für London.

Aus dem europäischen Verband UEFA qualifizierten sich die zwei besten europäischen Mannschaften der Fußball-Weltmeisterschaft 2011 vom 26. Juni bis 17. Juli 2011 in Deutschland. Hierbei erreichten nur zwei europäische Mannschaften das Halbfinale, Schweden und Frankreich, und qualifizierten sich dadurch. Die deutsche Mannschaft, die in der Vorrunde Frankreich klar geschlagen hatte, war im Viertelfinale unglücklich gegen den späteren Weltmeister Japan ausgeschieden. Zudem war Großbritannien als Gastgeber automatisch qualifiziert. Eine aus englischen und schottischen Spielerinnen bestehende und von der damaligen englischen Nationaltrainerin Hope Powell trainierte Mannschaft nahm als Team GB teil.

Der eine Startplatz des ozeanischen Verbandes OFC wurde im Frühjahr 2012 ausgespielt. Zunächst traten in Tonga im März die Teams aus Papua-Neuguinea, Samoa, Tonga und Vanuatu in einem Turnier „Jeder-gegen-Jeden“ gegeneinander an. Die beiden besten Mannschaften spielten dann den Teilnehmer aus, der Ende März/Anfang April gegen Neuseeland in Hin- und Rückspiel um den Startplatz in London spielte. Papua-Neuguinea setzte sich gegen Gastgeber Tonga durch und erreichte die Playoff-Spiele gegen Neuseeland. Diese gewann Neuseeland mit 8:0 und 7:0 und qualifizierte sich als letzte Mannschaft für das olympische Frauenturnier.

Bei der Fußball-Südamerikameisterschaft der Frauen 2010 vom 4. bis 21. November 2010 in Ecuador wurden die zwei Startplätze des südamerikanischen Verbandes CONMEBOL ausgespielt. In der Finalrunde setzten sich Brasilien und Kolumbien durch und qualifizierten sich als erste Mannschaften für das olympische Turnier.

Für das olympische Fußballturnier der Frauen konnten sich somit folgende Mannschaften qualifizieren:

Die Auslosung der Gruppen fand am 24. April 2012 statt. Die qualifizierten Mannschaften wurden auf je vier Lostöpfe verteilt. Zudem wurden Gastgeber Großbritannien, Weltmeister Japan und Titelverteidiger USA als Gruppenkopf der Gruppen E bis G gesetzt.

Lostöpfe des Frauenturniers:

Die Spiele des Frauenturniers begannen zwei Tage vor der eigentlichen Eröffnung der Olympischen Spiele. Die ersten beiden Spieltage jeder Gruppe wurden als Doppelveranstaltungen durchgeführt. Der dritte Spieltag fand jeweils parallel in verschiedenen Stadien statt. Für das Viertelfinale qualifizierten sich die drei Gruppensieger und -zweiten sowie die zwei besten Gruppendritten.

* Die Zuschauerzahl von 80.203 im Finale bedeutete olympischen und europäischen Rekord für ein Frauenländerspiel. Der bisherige Europarekord von 73.680 Zuschauern wurde beim Eröffnungsspiel der WM 2011 in Berlin erreicht. Nur das WM-Finale 1999 zwischen den USA und China sahen mit 90.185 mehr Zuschauer.

Kursiv: Nicht eingesetzt.

Anmerkung: Sortierung bei gleicher Torzahl gemäß Anzahl Torvorlagen, bzw. gespielter Zeit.

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