Natallja Helach

Natallja Mikalajeuna Helach (weißrussisch Наталля Мікалаеўна Гелах, russisch Наталья Николаевна Гелах/Natalja Nikolajewna Gelach; * 30. Mai 1978 in Brest, Belarussische SSR) ist eine weißrussische Ruderin, die bei drei Olympiateilnahmen zwei Medaillen gewinnen konnte.
Natallja Helach gewann 2000 mit dem Achter ihre erste Weltcup-Regatta. Bei den Weltmeisterschaften 2000 gewann Helach in der nichtolympischen Bootsklasse Vierer ohne Steuerfrau ihren ersten Weltmeistertitel. Sieben Wochen später belegte sie bei den Olympischen Spielen in Sydney mit dem weißrussischen Achter den vierten Platz. Bei den Weltmeisterschaften 2001 in Luzern trat Natallja Helach in zwei Disziplinen an: mit dem Vierer ohne Steuerfrau erreichte sie den sechsten Platz, mit dem Achter belegte sie den fünften Platz.
2002 rückte Natallja Helach zu Julija Bitschyk in den Zweier ohne Steuerfrau, die beiden gewannen bei den Weltmeisterschaften in Sevilla die Bronzemedaille hinter den Rumäninnen und dem kanadischen Duo. In den Weltcup-Regatten 2003 gewannen im Zweier einmal die Rumäninnen, einmal die Britinnen und einmal die Kanadierinnen, Bitschyk und Helach waren einmal Vierte und zweimal Zweite. Bei den Weltmeisterschaften in Mailand siegten die Britinnen vor den beiden Weißrussinnen und den Rumäninnen. In der Olympiasaison 2004 trat Helach im Weltcup im Zweier ohne Steuerfrau und im Achter an, bei den Olympischen Spielen in Athen starteten Bitschyk und Helach im Zweier und gewannen die Bronzemedaille hinter den beiden rumänischen Weltmeisterinnen von 2002 und den britischen Weltmeisterinnen von 2003.
Bei den Weltmeisterschaften 2005 in Gifu startete Natallja Helach im Zweier ohne Steuerfrau und im Achter, konnte aber zu den Endläufen nicht antreten. Im Folgejahr belegte Helach den vierten Platz im Vierer ohne Steuerfrau und den elften Platz im Achter bei den Weltmeisterschaften in Eton. 2007 bildete Natallja Helach wieder zusammen mit Julija Bitschyk den weißrussischen Zweier ohne Steuerfrau. Bei den Weltmeisterschaften in München siegten die beiden vor dem deutschen Duo und den rumänischen Olympiasiegerinnen. Im Weltcup 2008 fuhren die beiden Weißrussinnen einmal auf den fünften und einmal auf den siebten Platz. Bei den Weltmeisterschaften auf den nichtolympischen Strecken gewannen die beiden zusammen mit Hanna Nachajewa und Olha Scherbatschenja im Vierer ohne Steuerfrau. Bei den Olympischen Spielen in Peking siegten die Rumäninnen Georgeta Andrunache und Viorica Susanu vor einem chinesischen Zweier, Bitschyk und Helach erhielten wie 2004 die Bronzemedaille. Zum Saisonabschluss 2008 gewannen Helach und Bitschyk mit dem weißrussischen Achter noch Europameisterschaftsbronze.
Nach einer Pause 2009 kehrte Natallja Helach 2010 zurück. Bei den Europameisterschaften siegte sie mit dem Vierer ohne Steuerfrau und belegte den sechsten Platz mit dem Achter, bei den Weltmeisterschaften in Bled startete sie mit Julija Bitschyk im Zweier ohne Steuerfrau, die beiden belegten aber nur den elften Platz. Zum Abschluss der Saison 2011 gewannen Bitschyk und Helach zwei Silbermedaillen bei den Europameisterschaften. 2012 versuchten Bitschyk und Helach in Luzern sich noch für die Olympischen Spiele in London zu qualifizieren, was weder im Zweier ohne Steuerfrau noch im Achter gelang. Bei ihrer letzten internationalen Regatta bei den Europameisterschaften 2012 belegte Helach mit dem Achter den vierten Platz.
(Olympische Spiele=OS; Weltmeisterschaften=WM; Europameisterschaften=EM)
1974: Ghita, Neascu (ROM) | 1975 & 1977: Dähne, Noack (DDR) | 1978 & 1979: Klier, Steindorf (DDR) | 1981: Rudolph, Anders (DDR) | 1982 & 1983: Fröhlich, Sandig (DDR) | 1985: Arba, Horvat (ROM) | 1986 & 1987: Arba, Homeghi (ROM) | 1989: Haacker, Zeidler (DDR) | 1990: Werremeier, Schwerzmann (GER) | 1991: Heddle, McBean (CAN) | 1993 & 1994: Cortin, Gossé (FRA) | 1995: Slatter, Still (AUS) | 1997 & 1998: Korn, Robinson (CAN) | 1999: Luke, Robinson (CAN) | 2001 & 2002: Damian, Susanu (ROM) | 2003: Grainger, Bishop (GBR) | 2005: Haigh, Coles (NZL) | 2006: Marquardt, Rumball (CAN) | 2007: Bitschyk, Helach (BLR) | 2009: Francia, Cafaro (USA) | 2010 & 2011: Haigh, Scown (NZL) | 2013: Glover, Swann (GBR) | 2014 & 2015: Glover, Stanning (GBR)
1989: Harzendorf, Justh, Strauch, Wagner (DDR) | 1990: Bălan, Bobeică-Bulie, Trașcă, Ciucanu-Robu (ROM) | 1991: Barnes, Doey, Monroe, Taylor (CAN) | 1993: Jing, Pei, Wang, Zhu (CHN) | 1994: Boelen, Meijer, van Schilfgaarde, de Jong (NED) | 1995: Brooks, Iverson, Nelson, Lewis (USA) | 1996: Dirksen, Field, Turner, Zegarra (USA) | 1997: Beever, Eyre, Henshilwood, Walker (GBR) | 1998: Andrjejewa, Fessenko, Proskura, Sawtschenko (UKR) | 1999: Bitschyk, Mikulitsch, Trazewskaja, Snak (BLR) | 2000: Basilewskaja, Helach, Trazewskaja, Snak (BLR) | 2001: Robinson, Wilson, Lutz, Roberts (AUS) | 2002: Larsen, Winter, Sattin, Roberts (AUS) | 2003: Malcos, Webber, Davies, Wilbur (USA) | 2004: Rossit, Foulon, Galy, Le Nepvou (FRA) | 2005: Smith, Martin, Frasca, Hornsey (AUS) | 2006: Smith, Lutz, Bradley, Hornsey (AUS) | 2007: McGee, Cafaro, Jeffers, Dirkmaat (USA) | 2008: Nachajewa, Scherbatschenja, Helach, Bitschyk (BLR) | 2009 & 2010: Achterberg, Kingma, Bouw, Dekker (NED) | 2011: Zelenka, Kohler, Regan, Hendershot (USA) | 2013: Huelskamp, Coffey, Gobbo, Mueller (USA) | 2014: Pratt, Bevan, Prendergast, Gowler (NZL) | 2015: O’Brien, Latz, Martelli, Luczak (USA)

Steffen Wick

Steffen Wick (* 17. November 1981 in Herne) ist ein deutscher Komponist und Pianist.

Steffen Wick studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart Komposition bei Caspar Johannes Walter, Musiktheorie, Klavier und Neue Medien. Anschließend vertiefte er seine Kompositionsstudien in der Meisterklasse bei Moritz Eggert an der Hochschule für Musik und Theater München.
Steffen Wicks Konzertwerke reichen von großen Besetzungen (»womb« für Sinfonieorchester) über Kammermusik (»Inner Monologue« für Vokalquartett, Auftragswerk der Ernst von Siemens Musikstiftung) bis zu exotischen Zusammenstellungen (»transborder« für traditionelle koreanische und europäische Instrumente). Seine Werke wurden unter anderem bei den Bregenzer Festspielen aufgeführt, im Wiener Musikverein, im Radialsystem und Konzerthaus Berlin und von Ensembles wie dem Henschel Quartett, den Acht Cellisten der Wiener Symphoniker und dem Stuttgarter Kammerorchester interpretiert. CD-Aufnahmen seiner Werke erschienen bei Sony Classical und Universal Music.
Im Zentrum von Steffen Wicks kompositorischem Schaffen stehen abendfüllende, spartenübergreifende Konzertprojekte, die er mit seinem künstlerischen Kompagnon Simon Detel unter dem Namen WIDEMUSIC realisiert.
Werkverzeichnis auf der Website des Komponisten

Rede Gottes

Die Rede Gottes (arabisch كلام الله, DMG Kalām Allāh) ist in der islamischen Theologie eines der Attribute Gottes. Als Rede Gottes gilt hierbei sowohl das den Propheten offenbarte Wort Gottes als auch das Schöpfungswort kun („Sei!“), mit dem Gott die Welt erschafft. Das Verhältnis der Rede Gottes zu Gott selbst sowie zu dem offenbarten Koran ist eines der zentralen Themen in der Auseinandersetzung zwischen den theologischen Schulen der Muʿtaziliten, Aschʿariten, Māturīditen und Hanbaliten.

Der Ausdruck „Rede Gottes“ (kalām Allāh) kommt an drei Stellen im Koran vor:
Von großer Bedeutung für die späteren theologischen Diskussionen über die Rede Gottes war außerdem die Aussage in Sure 16:40, in der Gott selbst spricht: „Vielmehr ist unsere Rede (qaulu-nā), wenn wir irgendetwas wollen, dass wir zu ihm sagen: ‚Sei!‘ (kun) – und dann ist es.“ Daneben wird noch an zahlreichen anderen Stellen die Rede Gottes indirekt thematisiert. So wird in Sure 2:253 ausgesagt, dass Gott einige von den Gesandten den anderen vorgezogen hat und es einige unter ihnen gibt, zu denen Gott redete (wa-min-hum man kallama Llāhu), und einige, die er um Stufen erhöhte. Eine besondere Position unter den Propheten nimmt Moses im Islam ein, denn mit ihm soll Gott, wie es in Sure 4:164 (kallama Llāhu Mūsā taklīman) heißt, wirklich gesprochen haben. Deswegen hat er den Beinamen Kalīm Allāh („Angeredeter Gottes“) erhalten.
Wenn Gott mit einem Menschen spricht, dann tut er dies nur auf ganz bestimmte Weise, nämlich entweder durch Eingebung (waḥyan), hinter einem Vorhang (min warāʾ ḥiǧāb), oder indem er einen Boten sendet, der ihm dann mit seiner Erlaubnis eingibt, was er will (Sure 42:51). Die Fähigkeit der Rede unterscheidet Gott von den Götzen, denn diese können nicht sprechen (Sure 7:148).
Allgemein schlossen die islamischen Theologen aus diesen Versen, dass Gott eine Rede (kalām) besitzt und ein Sprechender (mutakallim) ist. Wie sich aber die Rede Gottes zu Gott selbst und zu dem Koran verhält, ob die Rede erschaffen oder unerschaffen ist, ob sie hörbar ist oder nicht und ob es mehrere Reden Gottes gibt oder nur eine, war unter islamischen Theologen umstritten. Ausführungen dazu finden sich in fast allen Handbüchern zum Kalām sowie zu den „Grundlagen der Religion“ (uṣūl ad-dīn).
Zu den strittigen Punkten hinsichtlich der Rede Gottes gehörte die Frage, ob sie erschaffen oder unerschaffen ist. Allgemein wird den Muʿtaziliten nachgesagt, dass sie die Rede Gottes für erschaffen hielten, so wie sie auch die Erschaffenheit des Korans lehrten, allerdings gab es auch einzelne Muʿtaziliten wie Murdār, den Schüler von Bischr ibn al-Muʿtamir, die nur den Koran für erschaffen hielten, die Rede Gottes jedoch für unerschaffen.
Innerhalb des Lagers derjenigen, die die Erschaffenheit der göttlichen Rede annahmen, gab es noch feine Unterschiede. Die meisten Muʿtaziliten lehrten, dass Gott die Rede in etwas anderem als sich selbst erschaffe. Das könne ein brennender Dornbusch sein wie bei Mose, oder die Luft wie bei dem Engel Gabriel. Dschahm ibn Safwān, Dirār ibn ʿAmr (gest. 815) und an-Naddschār (gest. ca. 830) meinten, dass Gott seine Rede in Körpern erschaffe. Abū ʿAlī al-Dschubbā’ī und sein Sohn Abū Hāschim vertraten die Auffassung, „dass Gott ein Redender (mutakallim) ist, durch eine Rede, die er in einem Subjekt erschafft.“ Andere Muʿtaziliten dagegen meinten, dass das Sprechen Gottes lediglich die Erschaffung der Wahrnehmung des Erschaffenen sei, so dass er hören könne. Die Erschaffung der Rede ist somit die Befähigung des Menschen zum Hören. Für ʿAbd al-Dschabbār ibn Ahmad ist dagegen die Rede eine von Gott erschaffene Handlung.
Zu denjenigen, die die Rede Gottes als unerschaffen betrachteten, gehörte Abū l-Hasan al-Aschʿarī. Er nahm in sein Glaubensbekenntnis den Lehrsatz auf, „dass die Rede Gottes unerschaffen ist, und Er nichts erschaffen hat, ohne zu ihm zu sagen ‚Sei!‘ (kun)“, so wie es in Sure 16:40 ausgedrückt wird. Die Rede Gottes kann seiner Auffassung nach deswegen nicht erschaffen sein, weil sie auch das Schöpfungswort einschließt, und dieses nicht durch sich selbst erschaffen sein kann. Wenn Gott nicht von Anfang sprechend gewesen wäre, wäre er stumm gewesen und hätte die Schöpfung und die Offenbarung nicht hervorbringen können. Auch der Zāhirit Ibn Hazm hielt die Rede für unerschaffen.
Nach dem Hanbaliten Ibn Taimīya (st. 1328) ist es die unter den Altvorderen (salaf al-umma) etablierte Lehre, dass die Rede Gottes unerschaffen ist. Sie sei herabgesandt, aber eben nicht erschaffen, gehe von Gott aus und kehre zu ihm zurück. Mit der Rückkehr der Rede Gottes, so erklärte Ibn Taimīya, ist dabei die am Ende der Zeiten stattfindende Entfernung des Korantextes aus den Koranexemplaren und von den Herzen der Menschen gemeint. In der Wasīyat Abī Hanīfa, einer māturīditischen Bekenntnisschrift, die in der frühen Neuzeit häufig kommentiert wurde, wird die Unerschaffenheit der göttlichen Rede bekräftigt und gesagt: „Wer sagt, dass die Rede Gottes erschaffen ist, ist ein Kāfir hinsichtlich Gottes. Gott, den die Menschen anbeten, bleibt derselbe, und seine Rede wird rezitiert, geschrieben und memoriert, ohne aber von ihm getrennt zu sein.“
Der Murdschi’it an-Naddschār (gest. ca. 830) lehrte, dass die Rede Gottes, wenn sie rezitiert werde, ein Akzidens (ʿaraḍ) sei, wenn sie aufgeschrieben werde, dagegen zum Körper (ǧism) werde. Die Vorstellung, dass die Rede Gottes ein Akzidens ist, wurde von verschiedenen Muʿtaziliten, so zum Beispiel an-Nazzām (gest. 846) und al-Iskāfī (gest. 854), übernommen.
Für andere Muʿtaziliten gehörte die Rede Gottes zu den sogenannten Attributen des Handelns (ṣifāt al-fiʿl), die im Gegensatz zu den Attributen der Essenz (ṣifāt aḏ-ḏāt) an die Zeit gebunden sind. ʿAbd al-Dschabbār ibn Ahmad betrachtete dementsprechend Gottes Rede als sein Handeln und meinte, dass man Gott auch nur deshalb als „redend“ (mutakallim) bezeichnen könne, weil er ein „Macher von Rede“ (fāʿil kalām) ist. Nach Abū l-Hasan al-Aschʿarī lehrten die meisten Muʿtaziliten, „dass die Rede Gottes sein Handeln ist, das er zu einer Rede gemacht hat, und dass es unmöglich ist, dass Gott immer ein Redender ist.“ Sie sahen die Rede Gottes also als eine Handlung an, die der Vergangenheit angehört.
Eine andere Position hinsichtlich der Rede Gottes nahm Ibn Kullāb (gest. 855) ein. Er meinte, dass die Rede eines der essentiellen Attribute Gottes ist, das ihm so inhärent ist wie das Leben und von Anfang an existiert. Für ihn die Rede Gottes weder mit Gott identisch, noch ist sie etwas anderes als er. Die gleiche Auffassung vertrat auch al-Aschʿarī. Er widmete ein ganzes Kapitel seines „Buches der Schlaglichter“ (Kitāb al-Lumaʿ) dem Beweis dafür, dass die Rede Gottes zu den Attributen der Essenz (ṣifāt aḏ-ḏāt) gehört. Damit richtete er sich gegen die Muʿtaziliten, für die die Rede Gottes nicht zu den ewigen Attributen der Essenz Gottes, sondern zu den Attributen der Handlung gehörte. Al-Aschʿarī hielt die Rede Gottes im Gegensatz zu ihnen nicht für eine vergangene Handlung, sondern eine Handlung, die in Gott gegenwärtig ist. Auch al-Bāqillānī (st. 1013). und Ibn Taimīya (st. 1328) betrachteten die Rede als ein essentielles Attribut Gottes. Ibn Taimīya meinte allerdings, dass die Rede Gottes gleichzeitig ein essentielles und ein aktives Attribut sei.
Bei denjenigen, die die Rede für ein essentielles Attribut Gottes hielten, war umstritten, wie sie sich zu den anderen essentiellen Attributen verhält. Ibn Kullāb meinte, dass die Rede Gott in der Weise inhärent ist wie das Leben und auch nicht von dem Willen (irāda) oder der Allmacht (qudra) abhängig ist. Nach Ibn Taimīya ist dagegen das Attribut der Rede dem Attribut des Willens untergeordnet, weil Gott spricht, wann und wie er will. Für as-Saffārīnī ist die Rede das zweite der insgesamt sieben bestätigten Attribute (aṣ-ṣifāt aṯ-ṯubūtīya). Das erste dieser Attribute ist das Leben Gottes, die anderen fünf sind das Sehen, das Hören, der Wille, das Wissen und die Allmächtigkeit Gottes.
Die Vorstellung, dass der Koran die Rede Gottes ist, lässt sich schon früh nachweisen. Auf einem Grabstein, der wahrscheinlich aus dem Jahre 815 stammt, heißt es: „Der Koran ist die Rede Gottes, hinabgesandt und unerschaffen.“ Ahmad ibn Hanbal wird mit den Worten zitiert, dass der Koran die Rede Gottes, wohin auch immer er gesandt wird. Den Hanbaliten wird nachgesagt, dass sie alles, was sich zwischen den beiden Buchdeckeln befindet, alles, was rezitiert und gehört wird, Laute und Buchstaben, für die Rede Gottes hielten. Die Auffassung, dass der Koran die Rede Gottes ist, wurde auch von den Muʿtaziliten geteilt. Al-Dschubbā’ī zum Beispiel lehrte, dass Gott bei der Rezitation des Korans „eine Rede von sich im Subjekt der Rezitation neu erschafft“. ʿAbd al-Dschabbār ibn Ahmad meinte, dass der Koran die letzte Rede Gottes an die Menschen ist, er jedoch weiter zu den Engeln spricht.
Ibn Kullāb wies dagegen die Auffassung zurück, dass der Koran die Rede Gottes sei. Seiner Auffassung nach war nur der Inhalt (al-maʿnā), der im göttlichen Wesen subsistiert, und auf den der arabische Koran hinweist, die Rede Gottes. Ibn Kullāb meinte zwar, dass die Rede ein essentielles Attribut Gottes ist, stellte jedoch in Abrede, dass auch die Laute und Buchstaben, die die Menschen auf Erden rezitieren, ewig sind, weil diese, wie er meinte, nur Ausdruck (ʿibāra) der göttlichen Rede sind, ihre lautliche, geschaffene Gestalt. Andere sagten ihm nach, dass er den Koran als die Abbildung (rasm) bzw. die Reproduktion (ḥikāya) der Rede Gottes betrachtete.
Die Auffassung, dass der Koran nicht das Wort Gottes ist, sondern nur ein Ausdruck davon, war auch die bekannte Lehre der Aschʿariten. Sie übernahmen die Unterscheidung zwischen der göttlichen Rede und dem Koran wahrscheinlich von Ibn Kullāb. Ibn Hazm gibt die aschʿaritische Lehre folgendermaßen wieder: „Gabriel ist nicht mit der Rede Gottes auf das Herz Mohammeds herabgekommen, vielmehr hat er etwas anderes gebracht, nämlich den Ausdruck (ʿibāra) der Rede Gottes. Nichts von dem, was wir in den Koranexemplaren lesen und schriftlich fixieren, ist die Rede Gottes.“ Der Aschʿarit al-Bāqillānī (st. 1013) hielt es für unzulässig, das, was man vom Koran rezitiert, als Rede Gottes zu bezeichnen. Al-Dschuwainī (st. 1085) meinte, dass die Rede Gottes zwar in den Koranexemplaren niedergeschrieben und in den Gedächtnissen der Menschen memoriert sei, jedoch nicht darin einkehre. Durch die Schriftzüge werde zwar die anfangsewige Rede Gottes zum Ausdruck gebracht. Das bedeute jedoch nicht, dass sie sich mit den Körpern verbinde oder in ihnen subsistiere. In verschiedenen Versen des Korans werde zwar ausgesagt, dass die Rede Gottes auf die Propheten herabgesendet wird. Mit Herabsendung (inzāl) sei hierbei allerdings gemeint, dass der Engel Gabriel die Rede Gottes, der sich an seinem Standplatz oberhalb der sieben Himmel befindet, erfasst, sodann zur Erde hinabsteigt und dem Gesandten das zu verstehen gibt, was er selbst am Lotusbaum der Grenze (sidrat al-muntahā) verstanden hat. Die göttliche Rede selbst bewege sich dabei nicht vom Platz. Aal-Dschuwainī setzte sich stark von denjenigen ab, die behaupteten, dass das, was man bei der Rezitation des Korans höre, die Rede Gottes sei. Diejenigen, die diese Lehre vertraten, bezeichnete er als Haschwīya („Abschaum“).
Der Zāhirit Ibn Hazm (st. 1064) wies diese Auffassung jedoch heftig zurück und erklärte: „Der Koran ist die Rede Gottes im eigentlichen Sinn (ʿalā l-ḥaqīqa), nicht im übertragenen Sinn (lā ʿalā l-maǧāz), und derjenige, der das nicht lehrt, ist ein Kāfir.“ Beweis für die Richtigkeit dieser Auffassung war für ihn Sure 9:6 und Sure 2:75, die beide voraussetzen, dass mit der „Rede Gottes“ ein geoffenbartes Buch gemeint ist.“ Hieraus schloss er, dass auch der hörbare Wortlaut des Korans die Rede Gottes ist. Insgesamt war er bestrebt, die weite Anwendbarkeit des Ausdrucks „Rede Gottes“ aufzuzeigen. So schrieb er: „Auch wenn wir im Koran lesen, sagen wir, dass diese unsere Rede die Rede Gottes, im wirklichen, nicht im übertragenen Sinn. Und niemandem ist es erlaubt, zu sagen: Diese meine Rede ist nicht die Rede Gottes.“ Seine Ausführungen zu dieser Frage schließt er mit der Bemerkung ab: „Wir sagen, dass die Rede Gottes in unseren Herzen ist, durch unsere Zungen vorgetragen wird und in unseren Koranexemplaren fixiert ist, und wir sagen uns los von demjenigen, der dies mit seinem verdorbenen Verstand leugnet.“
Auch für die meisten Hanbaliten stand fest, dass der Koran die Rede Gottes ist. So schloss zum Beispiel die Bekenntnisschrift des irakischen Hanbaliten Ibn Batta (st. 997) den Lehrsatz ein, dass der Koran „in allen Situationen und an allen Orten die unerschaffene Rede Gottes“ ist. Die Berechtigung, auch das, was Mohammed den Menschen übermittelt hat, „Rede Gottes“ zu nennen, leitet as-Saffārīnī aus der Aussage in Sure 9:6 ab, wo die Muslime dazu aufgefordert werden, Ungläubigen das Hören der Rede Gottes zu ermöglichen. Ibn Taimīya erklärte mit dieser Identitätsbeziehung auch die die unter den Altvorderen (salaf al-umma) feststehende Lehre, dass die Rede Gottes von Gott ausgehe und zu ihm zurückkehre. Mit der Rückkehr der Rede Gottes, so meinte er, ist dabei nämlich die am Ende der Zeiten stattfindende Entfernung des Korantextes aus den Koranexemplaren und von den Herzen der Menschen gemeint.
Der Hanbalit Ibn ʿAqīl (gest. 1119) meinte, dass der Koran die unmittelbare Rede Gottes sei, die Auffassung einer in Gott subsistierenden Rede lehnte er ab, weil es die Funktion von Rede selbst ist, das auszudrücken, was sich im Sinn befindet. Seiner Auffassung nach ist es unmittelbar die Rede Gottes, die gehört wird, wenn der Koran rezitiert wird. Er verwahrte sich allerdings gegen die Vorstellung, dass die Stimme desjenigen, der den Koran rezitiert, mit der Rede Gottes identisch sei, weil in dieser Stimme die Rede Gottes nur in einer fragmentierten Form erscheint. Derjenige, der die Rede Gottes mit der Rezitation des menschlichen Rezitators für gleichbedeutend hält, hat seiner Auffassung nach unzulässigerweise Gott mit seinen Geschöpfen gleichgesetzt. Mit dieser Einschränkung näherte er sich der Position Ibn Kullābs und der Aschʿariten an.
Bei den Māturīditen war die Meinung geteilt. Frühe Māturīditen wie Abū l-Yusr al-Bazdawī (st. 1099) unterschieden klar zwischen der Rede Gottes und dem Koran und meinten, dass der Koran nur im übertragenen Sinne Rede Gottes genannt werden könnte. Der Koran ist für sie nur ein Verweis auf die Rede Gottes bzw. eine in Buchstaben angeordnete Abschrift (nasḫ) davon. Spätere Anhänger dieser Schule wie at-Taftāzānī (st. 1389) waren dagegen davon überzeugt, dass Koran und Rede Gottes identisch sind. Die spätere Sichtweise spiegelt sich auch in der Wasīyat Abī Hanīfa wider, wo es heißt: „Wir bekennen, dass der Koran die unerschaffene Rede Gottes ist… Die Tinte, das Papier und die Schrift sind allesamt erschaffen, weil sie das Werk der Menschen sind. Das Werk des Erschaffenen (sc. des Menschen) ist nämlich ebenfalls erschaffen. Die Rede Gottes dagegen ist unerschaffen, weil die Schrift, die Buchstaben, Wörter und Verse allesamt Zeichen des Korans für das Bedürfnis der Menschen sind.“
Nach der Auffassung späterer Autoren wie as-Saffārīnī sind auch Thora, Evangelium und die Psalmen die Rede Gottes. Die Rede Gottes ist allerdings hierarchisch geordnet: nach Ibn Taimīya (st. 1328) steht auf der höchsten Stufe die Fātiha, dann kommt die Sure al-Ichlās, hierauf folgen jeweils auf absteigenden Stufen der Koran, die Thora und das Evangelium. Manche setzten aber auch das Evangelium auf eine höhere Stufe als die Thora.
Der Māturīdit al-Bazdawī hielt es dagegen für undenkbar, dass die Rede Gottes arabisch oder hebräisch ist. Das Arabische und Hebräische sind lediglich Eigenschaften der in Buchstaben angeordneten Abschriften der Rede Gottes, nicht aber der Rede Gottes selbst.
Der Muʿtazilit al-Iskāfī (st. 854) lehrte, dass die Rede Gottes an verschiedenen Orten gleichzeitig sein könne. Al-Dschubbā’ī meinte, wenn tausend Menschen den Koran an verschiedenen Orten rezitierten, die Rede Gottes ohne Einschränkung bei jedem von ihnen sei. Grundlegend für die aschʿaritische Lehre ist die Auffassung, dass Gott nur eine Rede hat und das, womit der Engel Gabriel hinabgekommen und was er in das Herz Mohammeds gelegt hat, nicht die Rede Gottes selbst ist, sondern nur deren Ausdruck (ʿibāra). Die Rede Gottes als anfangsewiges Attribut Gottes kann sich nämlich nicht vervielfältigen. Auch al-Ghazālī vertrat die Lehre, dass die Rede Gottes, die er als innere Lehre auffasste, nicht vervielfältigt werden könne.
Auch der Muʿtazilit ʿAbd al-Dschabbār ibn Ahmad (st. 1024) meinte, dass es nur eine Rede Gottes gebe. Seiner Auffassung nach konnte sie aber an vielen Orten gleichzeitig sein, so in den Büchern und in den Herzen der Menschen. Eine andere Auffassung vertrat der Muʿtazilit ʿAbbād ibn Sulaimān, ein Zeitgenosse Ibn Kullābs. Er meinte, dass die innere Rede eine Einheit ist, aber mit der Übermittlung an verschiedene Adressaten vielfältig wird.
Der andalusische Gelehrte Ibn Hazm wies die aschʿaritische Lehre von der Einheit der Rede Gottes mit Verweis auf zwei Koranverse zurück, in denen die Unbegrenztheit der Worte Gottes betont wird, nämlich:
Deswegen hielt Ibn Hazm die Behauptung, Gott habe nur eine Rede, für eine große Verirrung. Ähnlich betonte auch Ibn Taimīya die Vielheit der Rede Gottes. Sie kann seiner Auffassung nach entweder Information übermitteln oder einen Befehl beinhalten. In letzterem Fall hat sie entweder den Charakter eines Schöpfungsaktes (takwīn; im Sinne des Schöpfungswortes kun) oder den Charakter der Gesetzgebung (tašrīʿ). Die Rede Gottes ist insofern sehr vielfältig.
Der Aschʿarit al-Dschuwainī meinte, dass unter den Muslimen ein Konsens darüber bestehe, dass die Rede Gottes hörbar (masmūʿ) ist. Als Beleg dafür verwies er auf Sure 9:6, in der explizit davon die Rede ist, dass Menschen die Rede Gottes hören sollten. Allerdings gab es mit al-Māturīdī (gest. 944) und al-Isfarā’īnī auch zwei islamische Theologen, die die Hörbarkeit der Rede Gottes explizit abstritten. Sie waren der Auffassung, dass die Rede Gottes lediglich eine Idee in Seiner Essenz ist, und Gottes Sprechen mit Mose nur die Erschaffung einer Wahrnehmung war, durch die Mose diese Idee verstand. Hinsichtlich des Korans meinte al-Māturīdī, dass Gott seine innere Rede Gabriel übermittelt und dieser sie Mohammed in arabischer Sprache übermittelt habe.
Grundlage für die Lehre der Unhörbarkeit der Rede Gottes war die Vorstellung, dass die Rede Gottes nur die Bedeutung (maʿnā) ist, die in der Nafs Gottes subsistiert (al-qāʾim bi-n-nafs). Diese „innere Rede“ Gottes, von der die offenbarten Bücher nur ein Ausdruck sind, nannten die Aschʿariten auch kalām nafsī („innere Rede“). Al-Ghazālī, der der aschʿaritischen Lehre nahestand, erklärte in seiner Schrift al-Iqtiṣād, dass die Rede Gottes nicht aus Lauten oder Worten bestehe, sondern als innere Rede Gottes anders als alle andere Rede sei. Die innere Rede, so lehrte er, könne sich nicht durch erschaffene Laute oder Buchstaben außerhalb Gottes manifestieren, sondern nur offenbart werden. Auch Mose hatte nach al-Ghazālī die Stimme Gottes nicht wirklich gehört. Im Jenseits seien die Menschen jedoch imstande, Gottes Rede zu verstehen. Die Lehre von der Unhörbarkeit der Rede Gottes wurde auch von Fachr ad-Dīn ar-Rāzī (gest. 1209) geteilt.
Für die Muʿtaziliten al-Dschubbā’ī und seinen Sohn Abū Hāschim besteht die Realität der Rede dagegen sehr wohl aus artikulierten Lauten und geordneten Buchstaben. Die Schiiten stimmten mit ihnen darin überein. ʿAbd al-Dschabbār ibn Ahmad widmete einen ganzen Abschnitt seines Muġnī dem Beweis, dass Gott mit diesseitiger, hörbarer Rede spricht. Hanbaliten wie Ibn Taimīya hielten es für Häresie, zu sagen, dass Gott nicht mit Worten oder Lauten spreche.

Ziegelhütte (Thanstein)

49.39463312.473129480Koordinaten: 49° 23′ 41″ N, 12° 28′ 23″ O
Lage von Ziegelhütte in Bayern
Ziegelhütte ist ein Ortsteil der Gemeinde Thanstein im Oberpfälzer Landkreis Schwandorf (Bayern).

Ziegelhütte liegt ungefähr drei Kilometer nördlich von Thanstein und etwa drei Kilometer westlich der Bundesstraße 22 auf dem Nordufer des Gefällbaches, der ungefähr einen Kilometer weiter nördlich aus dem Zusammenfluss von Radlbach und Kulzerbach entsteht, etwa einen Kilometer südlich von Ziegelhütte den Altdammweiher und den Mühlweiher bildet, den Mühlweiher als Rödlbach bei Tännesried verlässt und schließlich nach ungefähr fünf Kilometern südlich von Voitsried in den Rötzbach mündet.
Ziegelhütte wurde schon 1811 als Aussiedlerhof erwähnt.
Entsprechend einer Verordnung von 1808 wurde das Landgericht Neunburg vorm Wald nach geografischen Gesichtspunkten in 55 Steuerdistrikte unterteilt, die die Grundlage für eine Vereinheitlichung und Neuorganisation des Steurwesens in Bayern bilden sollten. Dabei bildete Kulz mit den Ortschaften Kulz, Prackendorf, Holzhaus und Ziegelhütte einen Steuerdistrikt.
1820 wurden Ruralgemeinden gebildet. Dabei entstand die Ruralgemeinde Kulz, die aus der Ortschaft Kulz mit 76 Familien und der Einöde Ziegelhütte mit einer Familie bestand.
Die Formation von Gemeinden im 19. Jahrhundert, die zu den heutigen Gemeinden im Landkreis Neunburg führte, bildete die Voraussetzung für die Entwicklung eines begrenzten materiellen Wohlstandes und die rationelle Organisation des Staates. Sie ermöglichte und förderte die Entstehung gewerblicher und handwerklicher Existenzen. Vorläufer der politischen Gemeinden waren die Hofmarken und Landsassengüter.
Zum Stichtag 23. März 1913 (Osterfest) wurde Ziegelhütte als Teil der Expositur Kulz der Pfarrei Dieterskirchen mit drei Häusern und 21 Einwohnern aufgeführt.
1964 war Kulz eine eigenständige Gemeinde mit den Orten Kulz, Kiesenberg, Krähhof, Neudeck und Ziegelhütte. 1978 wurde Ziegelhütte als Ortsteil der Gemeinde Kulz in die Gemeinde Thanstein eingegliedert.
Am 31. Dezember 1990 hatte Ziegelhütte 22 Einwohner und gehörte zur Expositur Kulz der Pfarrei Dieterskirchen.
Berg | Dautersdorf | Haindlhof | Hebersdorf | Jedesbach | Jedesbachermühle | Kiesenberg | Krähhof | Kulz | Kundlmühle | Neudeck | Tännesried | Thanstein | Vormurnthal | Weihermühle | Ziegelhütte

Ferdinand Freiligrath

Hermann Ferdinand Freiligrath (sprich: Freiligrath oder Freilichrat, * 17. Juni 1810 in Detmold im Fürstentum Lippe; † 18. März 1876 in Cannstatt im Königreich Württemberg) war ein deutscher Lyriker und Übersetzer.

Ferdinand Freiligrath wurde als Sohn des Lehrers Johann Wilhelm Freiligrath (* 1784 in Kettwig; † 1825 in Soest) und von Anna Luise Wilhelmine, geb. Tops (* 1783 in Mülheim an der Ruhr; † 1817 in Detmold) in der Wehmstr. 5 in Detmold geboren. Von 1820 bis 1825 besuchte er das Detmolder Gymnasium. Besonders seine Lehrer Christian Friedrich Falkmann und der Direktor Christian Gottlieb Clostermeier förderten seine dichterischen Versuche. Er erlernte von 1825 bis 1832 in Soest im Geschäft der Gebr. Schwollmann, Brüder seiner Stiefmutter, den Beruf des Kaufmanns. Erste Veröffentlichung von Gedichten Freiligraths 1828 im „Soester Wochenblatt“ („Der große Teich von Soest“, „Todes Wiegenlied“, „Adler und Schlüssel“ und andere). Er huldigte schwärmerisch „den schönsten Bewohnerinnen Soests“. 1832 übernahm er eine Korrespondentenstelle der Firma Jacob Sigrist in Amsterdam, die ein Wechselgeschäft und Großhandelshaus betrieb. Von Mai 1837 bis 1839 war er als Kaufmannsgehilfe in der Firma J. P. von Eynern in Barmen tätig und wohnte dort in der Zähringerstraße 4.
Im September 1839 begann in Unkel am Rhein, wo noch heute das Freiligrathhaus an diese Schaffensperiode erinnert, sein Leben als freier Schriftsteller. Zusammen mit Karl Simrock und Christian Joseph Matzerath gibt Freiligrath das Werk Rheinisches Jahrbuch für Kunst und Poesie heraus (ein zweiter Band erschien 1840). Mit seinem Freund Levin Schücking, der auch Beiträge verwertete, die ihm von Annette von Droste-Hülshoff zur Verfügung gestellt wurden, veröffentlichte er 1840 Das malerische und romantische Westphalen. Dieses Werk ist im Zusammenhang mit einer starken Zeitströmung zu sehen. Landschaft und Region wurden als politischer Bezirk und literarisches Neuland entdeckt, das Interesse an Märchen, Sagen und literarischem Volksgut erwachte.
1840 verlobte sich Freiligrath im nordthüringischen Großmonra mit Ida Melos (1817–1899), der Tochter des örtlichen Gymnasialprofessors und Buchautors Johann Gottfried Melos. Er hielt sich mehrere Monate in Thüringen auf, meist in Weimar. Nach der Heirat am 20. Mai 1841 mit Ida Melos in Großneuhausen ließ er sich in Darmstadt nieder und erhielt auf Empfehlung Alexander von Humboldts 1842 eine Pension von 300 Talern vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. Im selben Jahr zogen die Freiligraths nach St. Goar. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor: Käthe Freiligrath, verh. Kroeker (1845–1904), Wolfgang Freiligrath (1847–1936), Luise Freiligrath, verh. Wins (1849 – ca. 1938), Otto Freiligrath (1850–1873) und Georg Percy Freiligrath (1852–1891).
Am 14. Mai 1842 wurde Freiligrath Freimaurer; seine Loge Zum wiedererbauten Tempel der Bruderliebe war in Worms ansässig. Korrespondenzen mit seinen Brüdern belegen, dass er der unpolitischen Haltung der Freimaurerei kritisch gegenüberstand.
1844 verließ Freiligrath St. Goar; in Assmannshausen (im Gasthof Zur Krone) schloss Freiligrath seine Sammlung politischer Gedichte Ein Glaubensbekenntniß ab. Das Buch erschien im September 1844 im Verlag Philipp von Zabern in Mainz und begründete Freiligraths Ruf als politischer Dichter. Aus Gründen politischer Opposition verzichtete er 1844 auf die Pension und auf eine mögliche Anstellung am Hof von Weimar. Wegen der Gefahr polizeilicher Verfolgung verließ Freiligrath Deutschland und übersiedelte 1845 nach Brüssel. Er lebte dort mit Karl Heinzen in einem Hotel. Dort besuchten ihn Karl Marx und Heinrich Bürgers für zehn Tage.
Im gleichen Jahr zog er in die Schweiz und ließ sich mit seiner Frau und deren Schwester Marie Melos (1820–1888) auf dem Meienberg ob Rapperswil am Zürichsee nieder. Dort machte er die Bekanntschaft mit Gottfried Keller, der sich unglücklich in Marie Melos verliebte. In der Schweiz lernte Freiligrath auch Franz Liszt kennen. 1846 veröffentlichte er den Gedichtband Ça ira!, in dem zum Ausdruck kommt, dass die Zeit für eine Revolution in Deutschland reif ist. Danach ging er aus finanziellen Gründen nach London, wo er als Korrespondent eines Handelshauses und später als Dozent an der Londoner Universität arbeitete. Er war auf dem Sprung nach Amerika, als in Deutschland die 1848er Revolution ausbrach, die er mit den Gedichten Februar-Klänge und Die Revolution (1849) begrüßte. Er ging nach Düsseldorf, wo er Freunde hatte, unter anderem Theodor Eichmann, Heinrich Koester und Wolfgang Müller von Königswinter, wohnte im Hause des Malers Henry Ritter und beteiligte sich aktiv an der Revolution. Im Juni 1848 besuchte Ferdinand Freiligrath der ersten Demokratenkongress in Frankfurt am Main. Im gleichen Monat war er auf Einladung von Andreas Gottschalk im Kölner Arbeiterverein zu Gast und trug dort sein Gedicht „Trotz alledem!“ vor. Am 1. August 1848 trug Freiligrath im Volksklub, einer kürzlich gegründeten, politisch links stehenden Vereinigung in Düsseldorf, der er angehörte und als Kassierer diente, sein Gedicht „Die Todten an die Lebenden“ vor. Nachdem das Gedicht dort Beifall gefunden hatte, in einer Auflage von 9000 Exemplaren gedruckt, verkauft und verbreitet worden war, wurde Freiligrath auf Initiative des Düsseldorfer Ober-Prokurators Karl Schnaase Ende August verhaftet und der „Aufreizung zu hochverrätherischen Unternehmungen“ angeklagt. Am 3. Oktober 1848 verhandelte ein Assisengericht in Düsseldorf den Prozess. Er endete mit einem Freispruch durch die Geschworenen und einem Festzug der Bevölkerung. Nach Polizeiangaben waren dabei 15.000 Menschen auf den Beinen, unter ihnen Karl Marx.
Am 12. Oktober 1848 trat Freiligrath in die Redaktion der Neuen Rheinischen Zeitung von Karl Marx und Friedrich Engels ein und betreute die Auslandsredaktion. Er schrieb an seine Schwiegermutter Wilhelmine Melos am 18. November 1848: „Außer den Gedichten enthalten diese auch Prosa-Artikel von mir. Großbritannien, Italien und Amerika, das ganze Ausland (mit Ausnahme Frankreichs) ist fast immer aus meiner Feder.“ In dieser Zeitung veröffentlichte er seine bekannten Gedichte „Wien“, „Blum“, „Reville“, „Ungarn“ und „Abschiedswort der ‚Neuen Rheinischen Zeitung‘“. Freiligrath sollte auch im Kölner Kommunistenprozess angeklagt werden. Er reiste nach Amsterdam (Holland), um in den Besitz von 1.000 Talern zu kommen, die eine „unbekannte Dame aus Rheda“ für die Neue Rheinische Zeitung geschickt hatte, nun aber zurückforderte. Freiligrath kehrte 1850 nach Deutschland zurück, weil sein Aufenthalt in Amsterdam nicht geduldet wurde. Er wohnte ab Mai 1850 in Düsseldorf-Bilk, emigrierte wegen zu erwartender Repressalien auf kritische Veröffentlichungen aber bald nach London. Auf einen Steckbrief vom 14. August 1851 vom Kölner Oberprokurator August Heinrich von Seckendorff wegen Teilnahme „an einem Komplotte zum Umsturze der Staatsregierung“ antwortete Freiligrath in der Kölnischen Zeitung, dass er nicht durch Flucht ins Ausland gegangen sei, sondern „mit einem regelmäßigen Paß für In- und Ausland auf ein Jahr aus Preußen abgereist“ war.
Ab Mai 1851 lebte er wieder in London. Im Juni 1851 wurde er als kaufmännischer Angestellter bei Joseph Oxford angestellt, der mit ostindischen Foulards handelte. Im Juni 1856 wurde er von James Fazy als Leiter der „General Bank of Switzerland (Crédit International Mobilier et Foncier) London Agency“ angestellt. Im November 1858 nahm er die englische Staatsbürgerschaft an. Die preußische Amnestie von 1861 und 1866 schloss Freiligrath aus, weil er noch immer gerichtlich verfolgt war und nur ein Gnadengesuch ihm Straffreiheit gewährt hätte. Dazu war er aber nicht bereit. Nachdem Ende 1865 die Bankfiliale geschlossen wurde, war er wieder arbeitslos. Im April 1867 rief Emil Rittershaus einige seiner Barmer Freunde zu einer Spendensammlung auf, die fast 60.000 Taler einbrachte, und er konnte 1868 nach Deutschland zurückzukehren. Da er in Preußen nicht amnestiert war, ließ er sich 1874 in Cannstatt bei Stuttgart nieder.
Bereits nach der gescheiterten Revolution flachte Freiligraths Begeisterung für Revolution, Klassenkampf und Proletariat ab. In seinem Spätwerk schloss er sich der nationalen Begeisterungswelle an und begrüßte mit nationalen, patriotischen Gedichten wie Hurra, Germania! den Krieg gegen Frankreich und die Reichsgründung von 1871.
Freiligrath betätigte sich auch als Übersetzer, u. a. von Werken Robert Burns’, Victor Hugos, Alfred de Mussets. Von bleibender Bedeutung ist vor allem sein politischer Einsatz und idealistischer Schwung gegen die als ungerecht empfundenen Zustände seiner Zeit.
Freiligrath starb am 18. März 1876 in Cannstatt im Wirtshaus „Alter Hase“ an Herzversagen. Er wurde auf dem Uff-Kirchhof in Cannstatt beigesetzt.
Der Nachlass Ferdinand Freiligraths befindet sich im Goethe-und-Schiller-Archiv Weimar, weitere Materialien liegen in der Handschriftenabteilung der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, im Internationalen Institut für Sozialgeschichte, Amsterdam und im Literaturarchiv der Lippischen Landesbibliothek Detmold. Die Lippische Landesbibliothek Detmold betreut das literarische Erbe Freiligraths, erwirbt antiquarisch angebotene Autographen und erstellt eine Freiligrath-Bibliographie.
Im November 1841 veröffentlichte Freiligrath im Morgenblatt für gebildete Leser sein Gedicht Aus Spanien, das die Zeilen
Der Dichter steht auf einer höhern Warte, Als auf den Zinnen der Partei.
enthielt. Das wurde als Angriff auf die demokratischen Kräfte der Zeit angesehen. Gottfried Keller, Rudolf Gottschall, Robert Blum und Georg Herwegh antworteten ihm.
Herweghs Gedicht „An Ferdinand Freiligrath“, das in der Rheinischen Zeitung am 27. Februar 1842 erschien, enthielt die Verse:
Partei! Partei! Wer sollte sie nicht nehmen, Die doch die Mutter aller Siege war! Wie mag einer Dichter solch ein Wort verfemen, Ein Wort, daß alles Herrliche gebar? […] Nur offen wie ein Mann: Für oder Wider? Und die Parole: Sklave oder frei? Selbst Götter stiegen vom Olymp hernieder Und kämpften auf den Zinnen der Partei! […] Für eures Volkes Zukunft nehmt Partei!
beeindruckte Freiligrath.
Emanuel Geibel, der wie Freiligrath zu diesem Zeitpunkt auch eine königliche Pension erhielt, nahm für sich in Anspruch:
Bist Du Dir selber klar bewußt, Daß deine Lieder Aufruhr läuten? Daß jeglicher in seiner Brust Das Ärgste mag aus ihnen deuten.
„Es ist schon erstaunlich, wie dieser Streit Freiligrath letztendlich doch Partei ergreifen ließ. Es zeigt aber auch, daß er in politischen und philosophischen Fragen noch völlig im Dunkeln tappte. Sicherlich hat ihm diese Auseinandersetzung den Blick für die brennenden Fragen der Zeit geschärft. Letztlich hat er sich auf die Seite Herweghs geschlagen, bekennt er doch im Vorwort des Glaubensbekenntnisses:‚… und das Ärgste, was sie (seine Kritiker) mir vorzuwerfen haben, wird sich zuletzt vielleicht auf das eine beschränken, daß ich nun doch von jener höheren Warte auf die Zinnen der Partei herabgestiegen bin.‘“
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 übte er zunehmend Gesellschaftskritik, als Beispiel wird ein Gedicht genannt, das er Die Trompete von Vionville nannte und das sich auf die blutig verlaufende Schlacht von Mars-la-Tour bezog. In diesem Gedicht äußert er sich distanziert zu dem Sieg und beklagt die Toten:

……Das Gedicht beginnt als Heldenepos, wandelt sich aber dann….
…zu einer Kritik am Blutzoll…
In der letzten Strophe wird das Gedicht zum Klagelied, das zum Schluss durch die Wiederholung des Gedenken an die Toten eine Manifestation erfährt!
Freiligrath-Denkmal in Rolandswerth
Freiligraths Grabdenkmal auf dem Uff-Kirchhof in Bad Cannstatt
Heinrich Beta#Beta – Freiligrath – Marx

Museum im Ursula-Stift und Schmiede am Stift

Mit dem Museum im Ursula-Stift beherbergt Gussenstadt das älteste Museum seiner Art in Württemberg, welches im Jahre 1911 durch Dr. phil. h.c. Georg Thierer, Verfasser der zweibändigen Ortschronik von Gussenstadt, in dem von seinem Bruder Valentin Thierer gestifteten Gemeindehaus eingerichtet wurde.
Die Ausstellungsfläche der ständigen Ausstellung umfasst 280 m², welche auf sieben Räume verteilt sind. Der 1911 eingerichtete erste Museumsraum ist fast original erhalten und wird von Fachleuten heute schon als Museum im Museum dargestellt. Die Dokumentation der Lebensverhältnisse auf der Heidenheimer Alb in der Vergangenheit mit Trachten, Stuben- und Kammereinrichtungen, Gebrauchsgegenständen aus Haus und Hof, dazu Ofenplatten, Lampen und Leuchten sowie Zeugnisse evangelischer Frömmigkeit – Bibeln, Gebetbücher und Erinnerungsbilder an Stationen des Lebenslaufs, von der Geburt bis zum Tod –, geben Einblick in die ländliche Wohnkultur des 18. bis 20. Jahrhunderts.
Weitere Schwerpunkte sind:
Jährlich finden Sonderausstellungen zu den unterschiedlichsten Themen in der zum Museum gehörenden Jakobshalle statt, passend zum Thema wird für Groß und Klein jeweils ein entsprechendes Programm angeboten.
48.641189.95754Koordinaten: 48° 38′ 28″ N, 9° 57′ 27″ O

Connecticut Open 2014/Qualifikation

Dieser Artikel zeigt die Ergebnisse der Qualifikationsrunden für die Connecticut Open 2014 des Damentennis. Insgesamt nahmen 48 Spielerinnen im Einzel an der Qualifikation teil.

 Brisbane  | Auckland | Shenzhen |  Sydney  | Hobart |  Australian Open  | Pattaya |  Paris  |  Doha  | Rio de Janeiro |  Dubai  | Acapulco | Florianópolis |  Indian Wells  |  Miami  |  Charleston  | Monterrey | Katowice | Bogotá | Kuala Lumpur | Marrakesch |  Stuttgart  | Oeiras |  Madrid  |  Rom  | Straßburg | Nürnberg |  French Open  | Birmingham |  Eastbourne  | ’s-Hertogenbosch |  Wimbledon Einzel / Doppel  | Bukarest | Bad Gastein | Båstad | Istanbul | Baku |  Stanford  | Washington D.C. |  Montreal  |  Cincinnati  |  New Haven  |  US Open  | Hong Kong | Taschkent | Québec (Stadt) | Seoul | Guangzhou |  Tokio  |  Wuhan  |  Peking  | Linz | Ōsaka | Tianjin |  Moskau  | Luxemburg (Stadt) |  WTA Championships  |  Tournament of Champions 
Klassifikation:   Grand Slam  |  Jahresendveranstaltung   Premier Mandatory  |  Premier 5  |  Premier  |  International 

Gizeh

Gouvernement
Gizeh (deutsch Giseh oder Gise, auch Giza, arabisch الجيزة al-Dschīza, DMG al-Ǧīza, ägyptisches Arabisch il-Gīza) ist mit 3,3 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Ägyptens und Hauptstadt des Gouvernements al-Dschīza (el-Gīza). Sie bildet mit Kairo eine Metropolregion mit über 16 Millionen Einwohnern.
Gizeh liegt am Westufer des Nils, etwa 20 km südwestlich der Innenstadt Kairos. Das Siedlungsgebiet beider Städte geht unmittelbar ineinander über. Bekannt ist die Stadt für das Gizeh-Plateau mit seinen altägyptischen Königsgräbern, Pyramiden und Tempeln, einschließlich der Sphinx und den Pyramiden von Gizeh.

Wichtigste Einnahmequelle ist der Tourismus durch die naheliegenden antiken Stätten. Gizeh ist auch ein wichtiges Industriegebiet. Von Bedeutung ist die Chemie-, Maschinenbau- und Zigarettenindustrie. Darüber hinaus sind die Stadtviertel am Nil ein beliebter Wohnort für die Mittel- und Oberschicht Ägyptens geworden.
Als Automobilhersteller ist hier zudem auch das der Seoudi Group angehörige Unternehmen Suzuki Egypt S.A.E. mit einem Zweitwerk ansässig, welches Fahrzeuge der japanischen Automobilmarke Suzuki herstellt.
Gizeh hat genau wie Kairo eine überproportionale Bevölkerungszunahme zu bewältigen. Lange Zeit hat man den wilden Slumbildungen am Rande der Stadt tatenlos zugesehen, bis die Bedrängung der antiken Pyramiden eine Umkehr erzwang. Das wüstenhafte Umfeld um die Pyramiden ist heute vor weiterer Besiedlung geschützt, dafür hat man einige Kilometer nördlich ein über hundert Quadratkilometer großes Neubaugebiet mit dem Namen Stadt des 6. Oktober ausgewiesen, das bei Vollbelegung für über eine Million Einwohner Raum bietet.
Gizeh ist an die zahlreichen Straßenverbindungen und Eisenbahnlinien entlang des Nils angebunden.
Wichtige Bildungseinrichtungen sind die Universität Kairo, die 1924 nach Gizeh zog, und die Akademie für die arabische Sprache (gegründet 1932).
Giseh gibt in etwa die Aussprache im ägyptischen Arabisch wieder (s steht nicht für das deutsche „s“ wie in aus, sondern für das stimmhafte „s“ am Silbenanfang wie in Sonne); im Englischen wird die Aussprache entsprechend als Gizeh wiedergegeben (vgl. Aussprache der englischen Sprache). Im Hocharabischen beginnt das Wort mit „dsch“, in englischer Rechtschreibung meist durch „j“ wiedergegeben (daher ist manchmal auch die Schreibung Jizah zu finden).
Das „h“ am Ende des Wortes ist stumm (es steht für das Ta marbuta), der Endvokal kann sowohl als „a“, „ä“ oder „e“ ausgesprochen werden. Der Name wird, wie viele arabische Namen, meist mit dem bestimmten Artikel al- (Dialekt el-) gebraucht.
Seit dem 27. Juni 1989 ist Los Angeles in den Vereinigten Staaten eine Partnerstadt von Gizeh. Weitere Partnerstädte sind Rinkeby in Schweden und Bandar Seri Begawan in Brunei.

Flugplatz Oberpfaffenhofen

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Der Flugplatz Oberpfaffenhofen wurde 1936 als Werksflughafen der Dornier-Werke (später Fairchild Dornier) errichtet und unterhalten. Nach Besetzung durch die Amerikaner im Frühjahr 1945 erhielt der Flugplatz die alliierte Code-Bezeichnung Airfield R.81. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier u. a. so spektakuläre Flugzeuge wie die senkrechtstartende Dornier Do 31 entwickelt. Nach dem Zusammenbruch von Fairchild Dornier im Jahre 2002 übernahm die EDMO-Flugbetrieb GmbH den Betrieb des Flughafens. Da der Flugplatz als Sonderflughafen klassifiziert ist, besteht keine Betriebspflicht und um dort landen zu können, muss vorher beim Flughafenbetreiber eine Erlaubnis eingeholt werden (PPR-Verfahren). Im Falle Oberpfaffenhofens ist darüber hinaus der Nutzerkreis auf die Nachfolgefirmen (und deren Kunden) von Fairchild Dornier, insbesondere die RUAG, sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Flugsportgruppe beschränkt. Mit der Genehmigung des Antrags der Flughafenbetreiberin EDMO-Flugbetrieb GmbH durch das Luftamt Südbayern vom 23. Juli 2008 wurde dieser Kreis um die Benutzer aus dem Bereich des so genannten „qualifizierten“ Geschäftsreiseflugverkehrs, insbesondere des Taxiluftverkehrs, erweitert. Der Flughafen ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV).

Der Flughafen liegt etwa 22 Kilometer westlich von München hauptsächlich auf dem Gebiet der Gemeinde Weßling, zum Teil aber auch auf dem der Gemeinden Gilching und Gauting.
Am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen sind gleich mehrere renommierte Unternehmen und Institutionen der Luft- und Raumfahrt angesiedelt. Der Flughafen gilt daher als Zentrum der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Aber auch Unternehmen der Automobilbranche haben hier ihren Sitz gefunden. Auch eines der drei Kontrollzentren des europäischen Satellitennavigationssystems „Galileo“ befindet sich an diesem Standort.
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betreibt in Oberpfaffenhofen das Raumfahrtkontrollzentrum sowie zahlreiche bedeutende Forschungsinstitute, wie z. B. der Atmosphären-Forschung und der Robotik. Am 8. September 2008 wurde das Bodenkontrollzentrum des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo offiziell eingeweiht. Am Standort haben auch die beiden Cluster „Luft- und Raumfahrt“ sowie „Satellitennavigation“ ihren Sitz, ebenso wie das „Anwendungszentrum für Satellitennavigation“. Die RUAG fertigt Airbus-Komponenten und wartet und lackiert Regional- und Business-Jets sowie Hubschrauber. 2009 wurde die Produktion der Do 228 wieder aufgenommen. Die 328 Support Services GmbH wartet die Dornier 328, führt aber auch Umbauten und Modernisierungen der Maschinen durch.
Ebenfalls auf dem Areal des Sonderflughafens hat 2007 die Webasto AG (ein namhafter Zulieferer der Automobilindustrie) ihr Entwicklungszentrum errichtet. Im September 2008 wurde der Sitz der Firma HS Genion eingeweiht, einem Entwicklungsspezialisten der Automobilindustrie, der zum Webasto-Konzern gehört.
Die Verkehrsanbindung ist per Auto durch den Autobahnanschluss an die A 96 – Ausfahrt Oberpfaffenhofen – gegeben. Mit dem öffentlichen Nahverkehr kann man bei den S-Bahn-Stationen (S8) Weßling oder Neugilching der S-Bahn München aussteigen und mit dem Bus 952 zum Flughafen fahren. Der eigene Gleisanschluss des Geländes an die Bahnstrecke München–Herrsching ist seit dem Jahr 2006 unterbrochen.
Die Flughafenbetreiberin, die EDMO-Flugbetrieb GmbH, plant den bisher nur als Werks- und Forschungsflughafen genutzten Sonderflughafen mit einem weiteren Segment, dem Geschäftsreiseflugverkehr, zu erweitern. Dazu sind massive Umbaumaßnahmen an der Infrastruktur erforderlich. Die Runway wird dazu Schnellabrollwege und neue Rollwege erhalten. Außerdem sind neue Stellplätze und ein neuer Tower geplant. Großflächige Hallenbauten erlauben die Unterbringung einer Vielzahl von Business-Jets auf dem Flughafengelände. Über diese Umbaumaßnahmen wurde bereits am 13. April 2004 ein Planfeststellungsbeschluss herbeigeführt. Am 10. August 2006 hatte die EDMO-Flugbetrieb GmbH beim Luftamt Südbayern die Änderung der zuletzt am 2. Dezember 2002 geänderten Betriebsgenehmigung beantragt. Der Kernpunkt war dabei die Erweiterung des bisherigen, durch die Definition als Sonderflughafen stark eingeschränkten Nutzerkreises, um den so genannten qualifizierten Geschäftsreiseflugverkehr (als Teilsegment der Allgemeinen Luftfahrt) mit Flugzeugen mit einem Startgewicht von mindestens zwei Tonnen bis maximal 50 Tonnen. Dieser findet laut Antrag auch an den Wochenenden statt, weswegen die Betreiberin außerdem eine Erweiterung der Betriebszeiten beantragte, und zwar für die Samstage von bisher 8 bis 14 Uhr auf 8 bis 21 Uhr, sowie zusätzlich für Sonn- und Feiertage von 9 bis 21 Uhr (bisher nur Sportflugbetrieb). Darüber hinaus sollte für alle Tage eine Verspätungsregelung gelten, nach der Flugzeuge auch bis 22 Uhr starten und landen dürfen. Neben dem Geschäftsreiseflugverkehr wurde außerdem auch der Hubschrauberflugbetrieb bis fünf Tonnen beantragt. Der Geschäftsflugverkehr ist ein stark wachsendes Segment der Allgemeinen Luftfahrt. Seine zumindest teilweise Verlegung vom Hauptflughafen Münchens, dem Flughafen München II, soll dortige Kapazitätsengpässe beseitigen helfen. Der Fluglinien- und touristische Charterluftverkehr hingegen soll, ebenso wie der Nacht- und Frachtflugbetrieb, am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen weiterhin ausgeschlossen bleiben.
Das Vorhaben, den bisher ausschließlich als Werks- und Forschungsflughafen betriebenen Sonderflughafen um die zusätzliche Nutzung für den Geschäftsreiseflugverkehr zu erweitern, hauptsächlich aber wegen der massiven Ausweitung der Betriebszeiten auch auf Sonn- und Feiertage, sowie (im Extremfall) bis 22 Uhr nachts (s. o.), rief den erbitterten Widerstand der Bürgerinnen und Bürger der umliegenden Gemeinden hervor. Zahlreiche Bürgerinitiativen bildeten sich. Auch der Starnberger Kreistag sprach sich gegen eine Betriebserweiterung in diesem Umfang aus, nicht zuletzt auch darum, weil das so genannte Fünfseenland, an dessen nördlichem Rand sich der Flughafen befindet, das Naherholungsgebiet für die Münchner Bevölkerung darstellt. Der Tages-, Wochenend- und Urlaubstourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Es wird befürchtet, dass dieser durch den sonn- und feiertäglichen Fluglärm beeinträchtigt werden wird.
Im September 2007 stellte die EDMO GmbH aufgrund des Protestes der Anliegergemeinden eine Änderung der An- und Abflugrouten in Aussicht, um „lärmoptimierten“ Flugbetrieb zu gewährleisten. Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) gab diesem Ansinnen jedoch nicht statt, weil die gesetzlich vorgeschriebene Anhörung der Öffentlichkeit nicht durchgeführt worden war.
Am 30. November 2007 nahm die Betreiberin, die EDMO-Flugbetrieb GmbH, diesen Antrag teilweise wieder zurück. Anstatt des bisher beantragten maximalen Startgewichts von 50 Tonnen wollte sie nur noch eines von 25 Tonnen erreichen. Außerdem sollten Hubschrauberflüge für Geschäftsreisen an Sonn- und Feiertagen entfallen. Für den Geschäftsreiseflugverkehr bedeutet dies jedoch keine nennenswerte Beschränkung, da der Großteil der Jets ohnehin nur ein Maximalgewicht von unter 25 Tonnen besitzt und Geschäftsreisen mit Hubschraubern ohnehin kaum zu erwarten sind. Dazu kommt, dass die EDMO GmbH zehn gängige Flugzeugmuster im Bereich von 25 bis 50 Tonnen von dieser Begrenzung ausdrücklich ausgenommen haben wollte. Somit dürften nahezu alle gängigen Business-Jets trotz der offiziellen Beschränkung auf 25 Tonnen Maximalgewicht dennoch zugelassen sein.
Vom 21. Januar bis zum 20. Februar 2008 wurde der geänderte Antrag zusammen mit den neuen und geänderten Flugrouten, einer von der EDMO GmbH selbst in Auftrag gegebenen „Lärmtechnischen Stellungnahme“ des TÜV Süd sowie einer Studie über das von dem Flughafenausbau bedrohte Fauna-Flora-Habitat (FFH) öffentlich in den am meisten betroffenen Gemeinden ausgelegt, um der Öffentlichkeit Gelegenheit zu geben, sich zu äußern. Bürger und Gemeinden konnten beim Luftamt Südbayern schriftlich Einwendungen dazu erheben, etwa 3500 Einwendungen wurden eingereicht.
Eine der neu beantragten Flugrouten, die Abflugroute „MAH 04 1D“, führt zweimal über den Ammersee. Eine Vielzahl von Gemeinden rund um den Ammersee, die am Wochenend- und Urlaubstourismus verdienen, versetzte dies so in Aufregung, dass spontan eine „Schutzgemeinschaft Ammersee“ gebildet wurde, die den Ausbau des Sonderflughafens vehement ablehnt. Nach teilweise anfänglichem Zögern vertreten inzwischen die Kommunalpolitiker aller politischen Parteien die Auffassung, dass der geplante Geschäftsreiseflugbetrieb am Sonderflughafen dem Umland Schaden zufügen würde.
Von offizieller Seite wird das Vorhaben damit begründet, den Flughafen langfristig wirtschaftlich betreiben zu müssen um den Betrieb – und damit den Forschungs- und Technologiestandort Oberpfaffenhofen – aufrechterhalten zu können. Dazu wurde im so genannten Landes-Entwicklungs-Programm (LEP) 2006 des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie ein Ziel B V 1.6.5 definiert. Satz 2 dieser Zielformulierung: „Die Möglichkeiten für einen bedarfsgerechten Ausbau und für seine Nutzung durch den Geschäftsreiseflugverkehr sollen offen gehalten werden“ stellt somit eine wesentliche Legitimationsgrundlage für das Ausbauvorhaben dar. Aus diesem Grund erhoben mehrere Gemeinden Normenkontrollklagen gegen dieses LEP-Ziel. Ebenso wurden von mehreren Anliegergemeinden Klagen gegen die Änderungsgenehmigung durch das Luftamt eingereicht.
Mit der Entscheidung über den Antrag der EDMO-Flugbetrieb GmbH vom 10. August 2006 war zunächst im Frühjahr 2008 gerechnet worden. Aufgrund der Abänderung des ursprünglichen Antrags und der damit verbundenen Vielzahl an Einwendungen verzögerte sich der Genehmigungsbescheid durch das zuständige Luftamt Südbayern jedoch bis zum 23. Juli 2008 (offizielle Bekanntgabe am 25. Juli 2008). In dieser Genehmigung wurde der Antragstellerin in allen Punkten entsprochen, mit Ausnahme des ebenfalls beantragten Flugbetriebs an Sonn- und Feiertagen, der auf 200 Flugbewegungen pro Jahr begrenzt wurde, sowie einer Begrenzung der Flugbewegungen von Geschäftsreiseflugzeugen wochentags auf insgesamt 9725 pro Jahr .
Nach den Landtagswahlen im Herbst 2008 wurde im Koalitionsvertrag zwischen CSU und FDP unter der Überschrift „Verkehr“ vereinbart: „Sicherung von Status und Bestand des Werks- und Forschungsflughafens Oberpfaffenhofen; im Übrigen wird im Landesentwicklungsprogramm (LEP) Satz 2 im Ziel 1.6.5 gestrichen.“ Nach dem Willen der Koalitionspartner sollen also sowohl der bedarfsgerechte Ausbau als auch die Nutzung des Flughafens durch den Geschäftsreiseflugverkehr künftig kein Ziel im Landesentwicklungsprogramm mehr sein. Der bisherige Status des Sonderflughafens als Werks- und Forschungsflughafen soll dagegen gesichert und erhalten bleiben. Der entsprechende Beschluss des Ministerrats erfolgte Anfang Dezember 2008.
In einem Urteil des Verwaltungsgerichts München vom 23. September 2009 wurden sämtliche Klagen der Gemeinden, Landkreise sowie der zusammengeschlossenen Flugplatzgegner abgewiesen. In der 76-seitigen Urteilsbegründung widersprechen die Verwaltungsrichter detailliert allen unter „Erweiterung des Flugbetriebs“ geschilderten Argumenten. Gegen das Urteil wurde keine Berufung zugelassen.
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Der Staatsanwalt hat das Wort: Tote Seelen

Tote Seelen ist ein deutscher Fernsehfilm von Jürgen Sehmisch aus dem Jahr 1966. Das kriminologische Fernsehspiel erschien als 4. Folge der Filmreihe Der Staatsanwalt hat das Wort. Der Titel spielt auf den gleichnamigen Roman von Nikolaj Wassiljewitsch Gogol an.

Buchhalter Gebauer liebte zu heftig die Literatur. Das belastete seinen Etat so stark, dass ihm die Ehefrau ständig vornörgelte, wie wenig Geld er doch verdiene. Da entdeckte er einen Betrug seines Vorgängers, der die Lohntüte eines längst gestorbenen Arbeiters in die eigene Tasche gesteckt hatte. Gebauer setzte das Geschäft mit der toten Seele fort und erfand sogar noch eine zweite hinzu. Das Gewissen beruhigte er durch vermehrten Alkoholgenuss, und durch einen Zufall kam endlich alles heraus.
Tote Seelen entstand 1966 im Zuständigkeitsbereich des DDR-Fernsehfunks , Bereich Dramatische Kunst. Szenenbild: Eberhard Schrake; Dramaturgie: Käthe Riemann; Kommentare: Peter Przybylski.
Das Filmmaterial ist zum größten Teil verschollen.